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Der Irish Spirit als Schulfach

Monday, January 18th, 2016

Dia dhuit!

Heute soll es paar Eindrücke zum Leben auf, in und an dem University College Cork, seinen Studenten und Dozenten geben. Tá an Coláiste na hOllscoile Corcaigh!

Der Campus der UCC ist imposant. Gebaut zwischen und aus Flüssen, Gärten und vor allem den charakteristischen alten irischen Gemäuern, wie Kapelle und Hauptgebäude, die der UCC einen Flair von altehrwürdiger Größe verleihen, die ich sonst nur von Elite-Universitäten wie Stanford erwartet hätte. Nicht zuletzt fällt auch der Name Hogwarts des öfteren, als ich den Campus überquere, ja geradezu genieße, wie es so mancher Tourist oder auch Studenten, die sich fotografierend als ebenfalls faszinierte Internationals outen. Aber es ist nicht nur das äußere Erscheinungsbild, welches die UCC prägt. Auch der innere Geist, welcher den Campus beherrscht oder eher belebt, beeindruckt mich sehr positiv. Es ist die beste Uni der Welt, statuieren die Studenten. Die Irish Times räumt ihr zumindest den Platz als beste Uni Irlands ein. Und man merkt, dass jeder bestrebt ist, diesen Status Quo zu untermauern: Societies , Clubs und Organisationen, alle von Studenten und Dozenten Hand in Hand geführt, tragen den Teamgeist der UCC und messen sich auf nationaler, sowie internationaler Ebene erfolgreich mit anderen Unis.

Haupttor der UCC

Jeder Student ist stolz, das Logo der UCC tragen zu dürfen. So ist der Uni-Shop ein gut besuchter Ort des Campus. Auch ich finde mich immer öfter hier wieder. Bereits nach den ersten Worten der Studenten über ihre Uni bin ich begeistert von ihrem Teamgeist und der Solidarität der Uni gegenüber. “Wir sind die beste Uni der Welt!” Nicht nur die Uni als Gebäude verleiht den Studierenden Größe, die Studenten verleihen der Uni durch ihre Taten ebenfalls Größe. Es fühlt sich für mich immer irgendwie klischeehaft „amerikanisch“ an, wenn ich über diesen irischen Teamgeist nachdenke und ihn tagtäglich erlebe. Aber vielleicht haben die Amerikaner auch einfach nur das übernommen, was die Iren in sich tragen. Irland ist eben ein tolles Land. Davon lassen sich die Studenten nicht abbringen und auch ich vertrete diese Meinung und den Teamgeist der UCC mittlerweile. Dabei ist nicht elitäres an diesem Verhalten zu erkennen. An der UCC herrscht keinerlei Unterschied. Alles ging von den Studenten aus. Societies wurden aus Interessengleichheit und nicht in einzelnen Instituten gegründet. Die neue Harry Potter Society fand in ihrer Gründungsnacht über 300 neue Anhänger. Jeder bereit, stundenlang des nachts auf dem Campus zu stehen, um aufgenommen zu werden. Einfach, weil jeder von ihnen Bock drauf hatte.

Eine tiefe Verbundenheit zu Uni und den Studierenden zeichnet das Leben an der UCC aus. Und das sie auch mich als Nicht-Iren mitreist dürfte beweisen, dass diese Verbundenheit nichts mit elitärem Verhalten, sondern von Verständnis auf vielen Ebenen zu tun hat.

Vielfalt irischer Architektur

Doch es waren nicht nur die Studenten, die mich nun, zugegebenermaßen, so groß von der UCC schwärmen lassen. Es ist auch da Verhältnis Student und Dozent, welches ich sehr zu schätzen weiß an der UCC. An der UCC studieren nicht 1000 Studenten, sondern gleich dreimal so viel. Aber nichtsdestotrotz funktioniert die Kommunikation zwischen Student und Dozent ausgezeichnet. Sei es nun im Bereich Philosophie, im Bereich für Französisch oder Deutsch oder im, mir bis dato völlig unbekannten, Bereich der gälischen Sprache, nur um die Bereiche abzudecken, mit denen ich mich während meiner Zeit beschäftigt habe: Die Dozenten verstehen es immer, sofort einen Draht zu den Studenten aufzubauen. Ob nun durch lehrreiche Rap-Battles auf Youtube, rezitieren von Passagen aus Batman oder lediglich durch eine herzliche und gleichzeitig kompetente Ausstrahlung. Jeder schien Geschichten zu erzählen zu haben, ob nun sehr persönlich oder einfach nur einen Schwank aus dem Alltag, doch immer passte das erzählte zum Unterricht. Das ich diese Eigenschaft bei fast all meinen Dozenten zu spüren bekam lässt mich heute darauf schließen, dass die UCC, entsprechend ihres hohen Rankings in Sachen Bildung, genau weiß, worauf es ankommt, mit der Zeit geht und immer Up to date bleibt in ihrem Profil. So erinnere ich mich nur all zu gerne an einen regnerischen Nachmittag, welchen ich im Institut für Philosophie bei einem Gastvortrag verbrachte: In einem kleinen Zimmer saß ich, umringt von den Dozenten des Instituts und ein paar anderen Studenten, und wartete auf den Gastredner, welcher uns bereits mit einführenden Worten so enthusiastisch angekündigt wurde, dass es gar nicht zu einer spießigen, universitären Atmosphäre kommen konnte, sondern eher den Anschein einer gemütlichen Kaffeerunde annahm. Untermalt wurde diese Szenerie schließlich von einer Diskussion zweier Dozenten über eine Folge „The Big Bang Theory“, welche erst vor wenigen Tagen lief. Alles Up to date eben.

Es macht mir stets Spaß, mich mit meinen Dozenten zu unterhalten, sei es nun in Sprechstunden, im Unterricht oder auch unterwegs. Das Verhältnis wirkt eher wie das zwischen Freunden, auch wenn ich stets den Respekt ihnen gegenüber zu wahren wusste. Doch oft kam es schon vor, dass man sich zu Sprechstunden aus Gründen der Notenvergabe traf, diese nach wenigen Minuten aber bereits in Gespräche über unsere Erwartungen zum neuen Star Wars Film umschlugen. Das gleiche gilt für den E-Mail-Kontakt. Auch wenn es nur Glückwünsche zu Weihnachten oder Neujahr sind, doch ich freue mich stets zu wissen, dass der Kontakt nicht auf ein Land beschränkt bleibt, sondern ich nun Teil dieser einen UCC-Community zu sein scheinen. Die Macht ist mit uns!

Die Eindruck Irlands als offenes und sympathisches Land, findet sich bereits auf dem Campus wieder. Was groß werden will, muss erst klein anfangen. Als  würden Dozenten den Irish Spirit lehren und de Studenten ihn, sportlich wie im Rugby, verteidigen. Teamwork fördert Teamgeist!

Auf bald! Slán go fóill und Tóg go bogé!

Fáilte in Cork!

Saturday, October 10th, 2015

Dia dhuit!

Das ist irisch für “Möge Gott mit dir sein” oder schlichtweg: Hallo!

Zu dem Zeitpunkt, an dem ich diese Zeilen schreibe, bin ich bereits seit einem Monat in Irland, der grünen Insel. Heimat von Schafen, Whiskey und Kerrygold! Das sich der vergangene Monat nicht wie ein Monat aus vollen 31 Tagen anfgefühlt hat, beweist mal wieder, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Vielleicht liegt das aber auch einfach daran, dass es in den Straßen hier kaum eine funktionsfähige Uhr gibt und Zeit somit eher zur Nebensache avanciert. Das soll dem ganzen hier aber keinen Abbruch tun, vielmehr bietet es mir sogar den positiven Vorteil, alles bisher erlebte Revue passieren zu lassen und die prägendsten Eindrücke des Landes in kurzer Form zusammenzufassen.

Zuallererst ist es ganz wichtig, folgendes festzuhalten: Ich bin hier in Cork! Irland, aber Cork. Das bedeutet, dass es neben dem County Cork zwar noch 25 andere Counties, gleich Bundeländern, gibt, diese lassen sich für die Studenten Corks aber alle unter einem gemeinsamen Namen zusammenfasen: Not-Cork! Selbst ein T-Shirt mit der Aufteilung Irlands in CORK und NOT-CORK ist im Souvenir-Laden erhältlich. Solidarität wird unter den Studenten groß geschrieben! Das gefällt mir, bereitet es ihnen doch sichtlich Freude:

[Es ist abends. Ich sitze im Pub “The Washington “Wash” Inn”. Eine Horde Studenten, deren Shirts mit UCC-Aufnähern versehen sind betritt den ohnehin schon gut gefüllten Laden. Ich wende mich um zu meinem irischen Kommilitonen.]                                                                                                                                                                                                                                                                                       “Hey, is it cool wearing a UCC-Shirt on the street?”                                                                                                                                                                                                                          “Oh yes, it is! It gives you a real position!”                                       [Wir stoßen mit unseren Pints auf das kommende Semester an. Welcome to Cork. Welcome to the UCC!]

The Washington Inn, Cork

Das Shirt aus dem Souvenir-Laden werde ich mir wohl auch besorgen. Natürich zusammen mit einem Shirt der UCC.

University College Cork

Doch wie genau sieht mein Leben hier nun aus? Cork ist, neben Dublin, und diese Stadt sollte man unter Rugby-Fans lieber nicht zu laut nennen, die zweitgrößte Stadt Irlands, wirkt jedoch, im Vergleich zu deutschen Städten, wie das irische Hildesheim: Weder zu klein, noch zu groß. Eben typisch irisch: gemütlich. Der River Lee durchzieht Cork mit seinen zwei Armen und mündet unweit des Stadtzentrums ins Meer. Möwen und Schiffe gehen in der Stadt ein und aus. Am stärksten geprägt wird das Stadtbild von den Kathedralen: Gothisch und groß! Wenn auch Pubs, Dinners und Hostels die Breiten jeder Straße ausfüllen, so sind es die Kathedralen, welche den Luftraum Corks einnehmen. Die Stadt hat Stil, besonders wenn es um Tradition und Religion geht. Neben aller großen Architektur kommt aber auch das Urbane in Cork nicht zu kurz: Kaum verlässt man das Stadtzentrum, auf irisch An Lár, und geht ein paar Schritte zu Fuß, oder setzt sich geschwind auf eines der überall erhältlichen Coca-Cola Bikes, betritt man auch schon kleine Stadtteile, gespickt mit Familienhäusern, Vor- und Grundschulen und natürlich: Pubs!

Und egal, ob Hügel oder Ebene, je weiter einen der Weg vom Stadtkern entfernt, desto mehr bekommt man das Irland zu sehen, dass vermutlich die meisten im Kopf haben: Grüne Ebenen, weite Ausblicke, original erhaltene Bauten, wie Burgen, Gefängnisse und Wachtürme. Es mag ein Klischee sein, doch es stimmt. Was man aus der Kerrygold-Werbung kennt, entspricht der Wahrheit! Und um all das zu sehen bedarf es keinem Tagesausflug, nein. Man muss nur dem Flusslauf folgen oder gen Hügel gehen und schon bald wird sich das moderne Stadtbild Corks mit dem historischen Irland vermischen. Und wenn einem der Weg doch mal zu weit sein sollte oder man sich einfach nur einmal setzen und die Szenerie auf sich wirken lassen möchte: Grünflächen und Parks lassen sich selbst in der Innenstadt und um die UCC finden. Cork lädt ein zum Verweilen!

Blick über Cork

Diese erholsame Atmosphäre, wie sie die Stadt versprüht, ja, nicht einmal das Hupen von genervten Autofahrern lässt von sich hören, spiegelt sich auch in ihren Einwohnern wieder: Es herrscht reges Treiben auf den Straßen, jeder ist unterwegs. Doch nicht nur, um einzukaufen, sondern auch, um mit dem Hund spazieren zu gehen oder um zu joggen oder schlichtweg, um das draußen-sein zu genießen. Selbst manche Autofahrer bleiben stehen, um die Fussgänger, die bei rot über die Straße gehen, nicht aufzuhalten. Jedes Gesicht scheint freundlich, man begegnet sich höflich und oft ist das lauteste Geräusch in den Straßen das der Straßenmusikanten. Verärgerte und schreiende Passanten sind mir bisher noch nicht aufgefallen. Und mag es auch nur an den frühen Öffnungszeiten der Pubs liegen. Kein Bier vor vier, dass gibt es hier nicht.

Soviel bisher von mir zur Stadt und an euch! Es sind die Bilder und Impressionen, die mir bisher am deutlichsten von der Stadt geblieben sind. Klar, es klingt manches mal vielleicht zu sehr nach Klischee, aber hey, manch ein Klischee entspringt doch der Wahrheit! Nichtsdestoweniger soll ein mögliches naturgetreues Bild von Cork vermittelt werden, in all seinen Facetten. Ob nun gut oder schlecht.

Vorerst soll dieses kleine “Intro”, wenn man es so nennen mag, aber reichen und Lust auf mehr machen. Denn Cork und Irland im allgemeinen hat noch so voel mehr zu bieten! Das passt aber unmöglich alles in einen Post.

Deswegen werde ich versuchen die, für mich, wichtigsten Eindrücke und Erfahrungen mit Cork, in diesen kleinen Einträgen hier, festzuhalten.

Ich freue mich, auf ein Semester in Irland! Sei es nun Cork oder Not-Cork. Und ich hoffe, ich kann euch Lesern ein gutes Bild vermitteln und vielleicht sogar Lust auf eine eigene Reise machen!

Bis dahin: Slán go fóill! Tóg go bogé!