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Herbst in Bergen

Thursday, November 5th, 2009

Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte:

Fantoft oder nicht Fantoft

Tuesday, October 20th, 2009

Als internationaler Student in Bergen hat man zwei Möglichkeiten: Fantoft oder nicht Fantoft. Fantoft ist ein Studentenwohnheim außerhalb der Stadt, in dem fast nur internationale Studenten wohnen. Es gibt zwar auch Studentenwohnheime die näher in der Stadt bzw. mitten in der Stadt sind, aber dafür kann man sich als internationaler Student leider nicht bewerben.

Um es vorne weg zu nehmen, ich wohne nicht in Fantoft. Ich habe mich gezielt dagegen entschieden und bin sehr froh darüber. Trotzdem muss sich jeder selbst entscheiden, was er/sie machen will, deswegen versuche ich hier ein paar Punkte aufzulisten, die eine Entscheidungshilfe bieten könnten.

Die Miete in Fantoft ist deutlich billiger als in der Stadt und selbst durch die nötige Monatsbusfahrkarte wohnt man dort sicher billiger.

Man lernt viele nette Menschen aus den verschiedensten Ländern kennen (meines Wissens sind die meisten internationalen Studenten entweder aus Deutschland oder aus Spanien, aber es sind sehr viele Nationen vertreten.)

Feiern kann man auch in Fantoft, dazu muss man nicht extra in die Stadt fahren. 😉

Man muss sich nicht selbst um eine Unterkunft kümmern, sondern weiß sofort wo man wohnen wird, wenn man in Bergen ankommt. Dazu muss gesagt werden, dass der Wohnungsmarkt in Bergen gerade zu Beginn des neuen Semesters im August recht überlaufen ist und es nicht einfach ist ein Zimmer zu finden. Man braucht auf jeden Fall sehr viel Geduld und darf nicht davor scheuen zig Telefonate zu führen und auf Annoncen zu antworten, die man nur halb versteht. Deswegen ist es ratsam so früh wie möglich anzureisen, wenn man sich gegen Fantoft entschieden hat!

Man braucht sich nicht um einen Nachmieter kümmern, sondern kann einfach kündigen, was bei manch einem Zimmer in der Stadt nicht der Fall ist.

Um nach Fantoft zu kommen, muss man mit dem Bus fahren, was je nach Uhrzeit und Verkehrsaufkommen zwischen 20 und 40 Minuten dauern kann. (Regel ist aber wohl 20, habe ich mir sagen lassen.)

Nachts fährt ein Late-Night-Bus der extra kostet, zurzeit glaube ich 60NOK. Wie oft der fährt, weiß ich allerdings nicht.

Wenn man in der Stadt wohnt, kann man abends spontan in die Stadt gehen.

Es ist viel einfacher sich bei studentischen Organisationen zu engagieren wie z.B. dem Studentenfernsehen oder dem Studentenradio, da man dort auch mal lange arbeiten muss und sich dann keine Sorgen um den letzten Bus machen muss.

Die Wahrscheinlichkeit in einer WG in der Stadt auch Norweger zu haben ist sehr groß, sodass man deren Eigenheiten und Kultur viel näher kennen lernt. (Und da man auf Grund der Sprachbarriere meist in englischsprachigen Kursen sitzt, trifft man dort auch nicht so viele Norweger.)

Man kann morgens länger schlafen, da der Weg zur Uni nicht so weit ist.

Man wird nicht ständig mitten in der Nacht durch Feueralarm aufgeweckt, der in Fantoft wohl regelmäßig losgeht.

Ich bin Mitte Juli nach Bergen gefahren und habe dann direkt angefangen nach einem Zimmer zu suchen. Am besten eignen sich: hybel.no und finn.no. Keine Angst vor der Sprachbarriere haben, auf Grund des Kontextes kann man sich vieles erschließen! Zur Not gibt es auch ein Onlinewörterbuch: http://www.heinzelnisse.info/no/dict. Unbedingt anrufen (bei Ankunft am besten gleich eine norwegische SIM-Card besorgen) und nicht eMail schreiben! Auf meine eMails hat niemand geantwortet, selbst wenn keine Telefonnummer in der Annonce dabei stand. Nicht davon abschrecken lassen, dass Norweger Nicht-norwegisch-sprechenden erst mal etwas distanziert gegenüber stehen. Das fand ich anfangs sehr frustrierend, da ich oft wegen der Sprachbarriere abgelehnt wurde. Also vorher so viel Norwegisch lernen, wie nur möglich! Aber mit etwas Geduld lässt sich ein Zimmer finden. Ich habe mich zeitweise auch noch durch Zeitungsannoncen gekämpft, die aber auf Grund der ganzen Abkürzungen sehr schwer zu verstehen waren. Und unbedingt gleich zum Folkeregister gehen und eine so genannte D-Nummer beantragen. Das ist eine Personennummer, die jeder, der länger in Norwegen wohnt braucht. Ohne die geht gar nichts! Man braucht sie um ein norwegisches Konto eröffnen zu können, um jobben zu können u.s.w. Und da der Antrag einige Zeit dauert, so schnell wie möglich machen.

Die Mühe lohnt sich meines Erachtens aber sehr, da meine Erfahrungen hier in Norwegen ganz anders sind, als die der meisten anderen internationalen Studenten. Und obwohl Norwegen auch Europa ist, gibt es doch einige gerade im Alltag spürbare Unterschiede, die es lohnt zu entdecken!

Buddy Bergen

Monday, September 28th, 2009

Du möchtest Norweger kennen lernen? Etwas über die norwegische Kultur lernen? Bei diversen Veranstaltungen teilnehmen?

Dann gibt es an der Universität Bergen genau das Richtige für dich: BuddyBergen. Buddy Bergen ist ein Programm, das von Studenten organisiert wird und dazu dient internationale und norwegische Studenten in Kontakt zu bringen. Jeder internationale Student, der sich für das Programm anmeldet bekommt einen norwegischen Buddy zugewiesen. Ziel ist es, dass man sich mit seinem Buddy ungefähr einmal pro Woche trifft. Die ersten sechs Wochen werden zu diesem Zweck verschiedene Veranstaltungen wie z.B. Quizzabend, Wandertouren in der Umgebung Bergens, Konzerte etc. organisiert, die alle kostenlos sind und einen nicht nur näher in Kontakt mit dem eigenen Buddy sondern auch mit vielen anderen Studenten und vor allem auch mit der norwegischen Kultur bringen. Letzte Woche zum Beispiel wurde eine Wanderung veranstaltet, die durch Bergenshinterland führte. Obwohl sich das Wetter typisch bergenserisch zeigte, war die Wanderung für mich einer der Höhepunkte im Buddy Bergen Programm. Es ist schon atemberaubend, wenn man die Stadt, in der man nun lebt, zu Füßen liegen hat und nicht nur das, sondern auch ansonsten von beeindruckender Natur umgeben ist. Außerdem bietet das Buddy Bergen Programm ein Sprungbrett, um Norweger, die meist doch eher zugeknöpft sind, kennen zu lernen, denn alle Norweger, die sich an dem Programm beteiligen, sind sehr aufgeschlossen und so kann man in den Freundeskreis des Buddys aufgenommen werden und mit ihm zusammen spannende Dinge erleben. Ich habe auf jeden Fall sehr positive Erfahrungen mit dem Programm gemacht und kann es jedem empfehlen, der selbst nach Bergen als internationaler Student kommt. Und wenn es mit dem norwegischen Buddy doch nicht ganz so klappen sollte, hat man immerhin die Möglichkeit bei einigen interessanten und lustigen Dingen teilzunehmen (wie zum Beispiel einem norwegischen Volkstanzkurs) und man kommt automatisch in Kontakt mit anderen internationalen und auch norwegischen Studenten.

Hier noch ein paar Bilder, der Wanderung zum Neugierigmachen:

Fjell-Landschaft

Fjell-Landschaft

Blick auf Bergen

Blick auf Bergen

Studienalltag 02

Saturday, September 12th, 2009

Ziska04, KuWi-Studentin berichtet vom Unialltag an der Universitetet i Bergen:

„Während meinem Aufenthalt in Norwegen möchte ich viel Norwegisch lernen.

Da ich aber noch Mitte Juli Klausuren schreiben musste, konnte ich leider nicht an einem Sprachkurs vor dem Unistart in Norwegen teilnehmen, sodass ich mich schon früh dazu entschloss den Intensivkurs: Level 1+2 zu besuchen, der 8 Stunden pro Woche stattfindet. Ich war sehr auf den Kurs gespannt, wie schwer es sein würde die Sprache zu lernen, wie viel ich lernen würde, was für Mitschüler ich haben würde und natürlich wie der Unterricht selber gestaltet sein würde.

Die Gruppe ist bunt zusammengewürfelt angefangen von anderen Erasmusstudenten bis hin zu ausländischen Mitarbeitern der Universität, sodass die Altersspanne sehr groß und auch die Nationalitäten sehr unterschiedlich sind.

Von Anfang an fühlte ich mich ein bisschen in meine Schulzeit zurückversetzt, in die Zeit, in der ich dort Sprachen gelernt habe. Unsere Lehrerin unterrichtet sehr gestenreich. Sie unterstreicht nicht nur neu gelernte Vokabeln gerne mit Gesten (sofern möglich), sondern auch grammatikalische Erklärungen. Dadurch wird der Unterricht recht anschaulich und immer wieder gibt es so etwas zu lachen.

Auch an die Schule werde ich erinnert, wenn wir immer wieder aufgefordert werden durchs Klassenzimmer zu gehen und uns mit den Anderen über ein bestimmtes Thema zu unterhalten. Anfangs wirkte das etwas befremdlich, aber es ist ganz interessant mit all den verschiedenen Leuten ins Gespräch zu kommen und immer wieder gezwungen zu werden sich mit anderen zu unterhalten, als dem Tischnachbar.

Das Tempo ist recht straff, da der Unterricht aber jeden Tag (außer mittwochs) stattfindet, ist das kein Problem, da man sich sehr viel mit der Sprache auseinandersetzt. Auch bekommen wir relativ viele Hausaufgaben, die es lohnt zu machen, da man durch die ganzen Übungen ein besseres Gefühl für die Sprache bekommt. Neben den regulären Hausaufgaben bekommen wir immer wieder Extraaufgaben, die wir bearbeiten können, wenn wir wollen. Diese Extraaufgaben können wir dann unserer Lehrerin abgeben, die sie korrigiert und uns wieder aushändigt. Zu diesen Extraaufgaben gehört auch, dass wir jede Woche den Auftrag bekommen einen Text selber zu schreiben, was für die Verinnerlichung der Vokabeln sehr hilfreich ist.

Schade finde ich bisher aber, dass mein Wortschatz noch sehr passiv ist. Denn wenn ich Texte lese, kann ich inzwischen einiges verstehen, aber selber sprechen gestaltet sich noch recht schwer. Hier fehlt mir im Großen und Ganzen noch ein bisschen mehr das „freie Sprechen üben“, das durch die bereits erwähnten „Klassenwanderungen“ etwas angeregt wird.

Interessanterweise ist die norwegische Sprache für uns Deutsche gar nicht so schwer zu erlernen, da es einige Ähnlichkeiten gibt. Die Aussprache unterscheidet sich nicht so sehr vom Deutschen (und besonders der Bergenser Dialekt kommt meinem Sprachgefühl entgegen) und auch in der Grammatik gibt es viele Ähnlichkeiten, wobei die norwegische in einigen Dingen einfacher als die deutsche ist (leider gibt es auch hier die gefürchteten Ausnahmen von den Regeln). So werden Verben zum Beispiel nicht konjugiert, sondern bleiben in jeder Form, wie im Englischen auch, gleich.

Im Umgang mit Norwegern bin ich aber leider nach wie vor auf Englisch angewiesen. Erste Erfolge zeigen sich aber zum Beispiel beim Einkauf im Supermarkt, oder bei der Post, wenn ich die zu zahlende Summe auf Norwegisch verstehe und sonst auch kein Englisch anwenden muss. Erschwerend kommt aber hinzu, dass in Norwegen Dialekte sehr verbreitet sind und Leute, selbst wenn sie umziehen ihren Heimatdialekt behalten. So hat man also manchmal das Gefühl, man hört eine Sprache, die man noch nie zuvor gehört hat, wenn man sich einem unbekannten Dialekt gegenübersieht. Und da gerade an einer Universität viele Studenten aus vielen verschiedenen Regionen Norwegens zusammenkommen hört man viele unterschiedliche Dialekte.

Wenn ich Norwegern beim Sprechen zu höre, freue ich mich immer, wenn ich einzelne Wörter, so was wie „und“, „mit“ oder ähnliches verstehe, selbst wenn sich mir der Kontext noch nicht erschließt. Ich bin aber davon überzeugt, dass mit ein bisschen mehr Übung und dem regelmäßigen Unterricht erste Konversationen bald möglich sein werden. Ich kann den Besuch eines Sprachkurses (und besonders des intensiven) also wärmstens empfehlen. Norweger freuen sich, wenn sie hören, dass man als Ausländer die Sprache lernt, selbst wenn man nur ein halbes Jahr bleibt.“

Studienalltag 01

Tuesday, September 1st, 2009

Ziska04, KuWi-Studentin berichtet vom Unialltag an der Universitetet i Bergen:

„Der Kurs DIKULT204 war als Kurs über digitale Medien und digitale Kultur ausgeschrieben, in dem die Studenten sich mit verschiedenen Phänomenen der digitalen Kultur auseinandersetzen und diese kritisch zu betrachten lernen.
Das klang einigermaßen interessant, vielleicht ein bisschen trocken, aber sicher etwas das man auch in Hildesheim hätte finden können. Tatsächlich verläuft der Kurs nun anders als durch diese Beschreibung erwartet. Das übergeordnete Thema, dem sich der Kurs nähert lautet in diesem Semester Remix. Der Kurs versteht sich eher als „Researchgroup“, bei der sich jeder einem bestimmten Aspekt von Remix Culture widmet und diesen untersucht. Von jedem Studenten werden eine 15seitige Hausarbeit und ein Youtube-Video entstehen. Das hört sich vielleicht alles noch sehr abstrakt und weit hergeholt an, ist aber sehr interessant, da es zum einen viele Felder zu entdecken gibt, wie zum Beispiel: Copyright, Manipulation durch Remix, Remix-Kunst, Remix-Musik u.v.m. und zum anderen die Kreativität durch das Drehen und Schneiden eines eigenen Videos nicht auf der Strecke bleibt. Damit nicht jeder vor sich „hinwerkelt“ und nicht mitbekommt, was die Anderen machen, wird im Seminar (das zwei mal die Woche jeweils zwei Stunden stattfindet) gesammelt, besprochen und diskutiert, was jeder herausgefunden hat. Außerdem ist das Seminar im Internet miteinander verlinkt, sodass der Austausch von interessantem Infomaterial sehr einfach ist. Darüber hinaus hat jeder Student einen Blog eingerichtet (Hier geht es zu: Ziska04’s blog), auf dem er/sie davon berichtet, was er/sie sich für Gedanken zum Thema macht, was herausgefunden wurde und wohin man möchte.

Nach diesem mehr organisatorisch – inhaltlichem Abriss über das Seminar, noch ein paar persönliche Eindrücke. Obwohl das Seminar auf Englisch gehalten wird, haben sich einige Norweger in das Seminar verirrt, was sehr spannend ist, da sie einen ganz anderen Hintergrund haben, als die internationalen Studenten und natürlich bietet sich die Gelegenheit mit den Norwegern ins Gespräch zu kommen und sie, wie auch ihre Lebensweise näher kennen zu lernen. Auch wurden in dem Seminar Bachelor- und Masterstudenten gemischt, da es zu wenige Masterstudenten für einen eigenen Kurs gibt. Anfangs schien das ein bisschen einschüchternd, es hat sich aber als sehr fruchtbar erwiesen. Was anfangs auch etwas beängstigend war, war der Zeitplan, der sehr straff gehalten ist. So mussten zum Beispiel bereits am Donnerstag letzte Woche die ersten Trailer für das spätere Video präsentiert werden (Hier geht es zu: Ziska04’s Trailer) und bis nächste Woche muss der „Final draft“ des Videos stehen. Nebenher wird munter recherchiert, im Seminar gesammelt, diskutiert, im Internet nach Beispielen gesucht, diese zusammen getragen und gemeinsam angesehen, in Kleingruppen analysiert und aussortiert und dann wieder weiter recherchiert und herum überlegt, wie das eigene Thema am besten anzugehen ist. Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie das Semester weiter verlaufen wird und vor allem, wie unsere youtube Videos werden.“

Willkommen in der Regenhauptstadt Europas

Friday, August 28th, 2009

Willkommen in Bergen, Europas Regenhauptstadt!

„Fein zerstäubter Regen, der aus unsichtbaren Kakteenspitzen aus dem Ungefähren gesprüht wird; Regen fassweise, der einem die Haare vom Kopf reißt; Regen, der gar nicht zu sehen ist und dennoch ins Subkutane hinabreicht; galoppierender Regen, der wie zerfetzte Bettwäsche über die Straße hetzt; Glasperlenregen mit lyrischem Tingeltangel und Sonnensplitter; epileptische Regenanfälle, die sich unverhofft über die Straße wälzen und hinterher so tun, als seien sie nicht gewesen; Schwemm-, Hupf- und Schnürlregen, und brausender Weltuntergangsregen; bei dem es unklar bleibt, ob die Fjordwasser zum Himmel oder die schleusenlosen Welteisströme zur Erde rauschen. Nur diese Kennerstadt Bergen hält eine solche Regenauslese in ihren himmlischen Kellereien auf Lager. Die Spätlese kommt erst im Winter. Dann regnet es Golfströme.“ (dt. Schriftsteller: Eugen Skasa-Weiß) – gefunden in: Gebrauchsanweisung für Norwegen von Ebba D. Drolshagen.

Zurzeit befindet sich Bergen in den eisernen Händen eines „brausenden Weltuntergangregens“, weshalb es sich empfiehlt das Haus nicht ohne Gummistiefel und Regenschirm oder noch besser Regenjacke und Regenhose zu verlassen!

Ich möchte keinesfalls demotivieren, nur zur Vorsicht und zur besonderen Vorbereitung raten, wer sich diese Stadt einmal aus der Nähe anschauen möchte. Nebenbei erwähnt, haben die „himmlischen Kellereien“ nur ein begrenztes Lager, sodass auch immer mal wieder an „Regenauslese“ gespart wird und sich stattdessen viele „Sonnensplitter“ auf dieses Fleckchen Erde wagen.