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Studium und Examen

Monday, December 26th, 2016

In diesem Blogpost möchte ich gerne näher auf das Studium an der La Sapienza eingehen. In Hildesheim studiere ich im Bachelor Sozial- und Organisationspädagogik. Hier wurde ich der Fakultät Psicologia e Medicina zugeteilt. Genauer gesagt belege ich Kurse des Bachelorstudienganges Servizio Sociale was sich in Soziale Arbeit übersetzen lässt. Gestartet haben meine Vorlesungen Mitte September und gingen bis zu den Weihnachtferien. Im Januar finden dann die Examen (die sogennanten ,,Appelli“) statt. Ich belegte Kurse aus dem zweiten und dritten Jahr: Psicologia Clinca (klinische Psychologie), Salute Pubblica (öffentliches Gesundheitswesen) und Psicologia delle organizazzione e di lavoro (Arbeits- und Organisationspsychologie). Die Kurse finden jeweils zweimal wöchentlich für anderthalb Stunden statt. Also hat man jeden Kurs 3h die Woche. Das ist ein Unterschied zu Deutschland wo ein Kurs in der Regel nur einmal die Woche stattfindet. Die Lernmethoden sind für mich allerdings ein wenig fragwürdig. Die Stunde besteht meist daraus, dass der Professor seine Powerpointpräsentation vorstellt. Dabei passierte es leider oft, dass die Professoren mindestens eine halbe Stunde zu spät kamen oder manchmal auch gar nicht erst auftauchten. Bescheid wusste natürlich meistens niemand. Gruppenarbeiten gab es in meinen Kursen gar nicht. Insgesamt waren wir nur 40 StudentInnen in den Kursen was sehr angenehm war da eigentlich meist auch nur die Hälfte anwesend war. Jedes Mal musste ich auch auf einer Anwesenheitsliste unterschreiben. Fehlen darf man nur bis zu einer bestimmten Prozentzahl von 10 Prozent der Kursstunden. Meine Prüfungen werde ich am 18 und 20 Januar haben und zwar mündlich. Für Salute Pubblica musste ich eine 15 Seiten Hausarbeit über das Deutsche Gesundheitssystem auf Englisch schreiben, die mündliche Prüfung ist allerdings auf Italienisch. Psicologia Clinica darf ich zum Glück auf Englisch absolvieren. Dafür werden mir 8 Fragen schon im Vorhinein gegeben und ich muss die Antworten mit dem Professor diskutieren.

 

Giornale di Viaggo

Tuesday, December 6th, 2016

Die Monate Oktober, November und Dezember habe ich genutzt um viel Reisen zu gehen. Wann bekommt man schon die Möglichkeit so nah an einem internationalen Flughafen zu wohnen? Die Flugverbindungen in Rom sind wirklich fantastisch. Fast alle Ziele sind per Direktflug erreichbar. Insgesamt war ich bisher in Neapel, Capri, Pompei (Italien), Bukarest (Rumänien), Athen(Griechenland) und Sofia (Bulgarien).

Napoli, Capri e Pompei

Meine erste Reise führte mich mit dem Studentennetzwerk ESN nach Neapel, Capri und Pompei. Innerhalb von nur zwei Stunden sind wir mit dem Bus in Neapel angekommen. Aufgeteilt wurden wir in 4 unterschiedliche Hostels. Da fing das Problem auch schon an. Niemand wusste so recht wer in welchem Hostel war. Aber in Italien lernt man schnell alles etwas lockerer zu sehen. Meine drei Freundinnen und ich wurden mit 4 portugiesischen Jungs in einem Klosterhostel in Neapel untergebracht. In diesem wohnen seltsamerweise eigentlich keine Touristen sondern Studenten und zwar nur männliche. Jaja da waren wir als Frauen doch eine kleine Attraktion. Der Besitzer des Hostels war witzigerweise aus Hamburg (was man leider auch sehr stark an seinem deutsch-italienischen Akzent hören konnte). Die Stadt an sich ist tatsächlich so laut, dreckig und chaotisch wie man aus Erzählungen hört aber das Essen ist bombastisch gut. In die Pizza mit Büffelmozarella hätte ich mich reinlegen können. Außerdem waren die Leute um einiges netter als in Rom. Wenn man ein Kaffeeliebhaber ist sollte man auf jeden Fall seinen Kaffee (Nicht vergessen Kaffee=Espresso) ,,senza zuchhero” also ohne Zucker bestellen, denn die Napoletaner mixen Zucker von Anfang an in den Kaffee.

Nach Capri gelangten wir dann mit der Fähre von Neapel aus. Die Überfahrt dauerte ungefähr 1.5 Stunden und war dank Wellengang etwas wackelig aber dennoch sehr schön. Die Insel ist nicht unbedingt groß aber dafür sehr teuer. Ein Eis hatte mich doch glatt 5 Euro gekostet. Es hat sich aber trotzdem gelohnt. Wenn man erstmal die ganzen Treppen bis auf den Hauptplatz oben auf der Insel hinaufgestiegen ist dann wird man mit einem atemberaubenden Blick auf das Meer und das Festland belohnt:

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Der dritte und letze Stop war dann Pompei. Leider hatten wir, aufgrund der Organisationstalente des Studentennetzwerks, von der Stadt an sich nichts gesehen. Aber wir durften die Ausgrabungsstätten in Pompei besichtigen. Die Tour war auf italienisch (was nicht gerade schlau gewählt was denn außer mir und ein paar spanischen ErasmusstudentInnen sprach so ziemlich niemand Italienisch). Deshalb versuchte ich so gut wie es geht das Gesagte zu übersetzen. Am meisten fasziniert hat mich die Architektur von damals. Sehr fortschrittlich für damalige Verhältnisse. Am Abend machten wir uns dann wieder auf nach Rom.

 

Bukarest

Diese Stadt hat mich wirklich umgehauen. Als erstes haben wir eine Free Walking Tour gemacht (die kann man in fast jeder großen Stadt Europas machen). Die Dauer betrug 2.5 Stunden und wir haben viel über den ehemaligen Präsidenten, die Entwicklungen der Stadt und vor allem auch der StudentInnenbewegungen gelernt. Ich hatte zum Beispiel nicht gewusst dass es blutige Studentenproteste, bei denen auch StudentInnen ums Leben gekommen sind, gab. Die Einheimischen waren dort sehr nett und sprachen auch überraschend gutes Englisch. Untergebracht waren wir in einem schnuckeligen AirBnb Apartement direkt in der Partyszene (In Bukarest kann man echt gut, günstig und vor allem sicher feiern gehen).

Athen

Ende November ging es dann von Rom Ciampino nach Athen. Dort wurden wir von 18 Grad warmen Wetter empfangen. Die meiste Zeit konnte man sich also ohne Jacke draußen bewegen. Auch hier haben wir uns einer Free Walking Tour angeschlossen. Meine Highlights waren definitiv die Akropolis und der Berg Lykabettus (griechisch Λυκαβηττός/Lykavittós). Von dort aus hatte man einen unglaublichen Blick auf ganz Athen. Das Essen war sehr lecker wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig. Die meisten Restaurants führten ihre Speisekarte nur auf griechisch aber die Servicekräfte waren immer nett und hilfsbereit und übersetzen jedes einzelne Gericht für uns. Unser Hostel war das Mable House in Athen. Klein aber fein und aus sehr viel Marmor. Die Griechen sind wirklich ein witziges Volk. Das einzig doofe (genau wie in Rom): Busfahrkarten kann man nicht so wie in Deutschland im Bus kaufen sondern man muss sich im Vorhinein informieren wo man welche bekommen kann. Der öffentliche Transport ist gut ausgebaut aber man kommt auch fast überall super zu Fuß hin. Nach nur zwei Tagen ging es dann auch schon wieder nach Rom zurück.

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Sofia

Hier fasse ich mich kurz, denn Sofia hat mir persönlich so gar nicht gefallen. Die Leute waren zum Teil wirklich unverschämt unfreundlich und nicht hilfsbereit. Wenn man nach dem Weg fragte wurde man meist nur verdutzt angeguckt und wenn man Glück hatte wurde einem auf bulgarisch geantwortet (was ja auch jeder versteht). Die Stadt wirkt eher grau und trist und ist ziemlich kommunistisch geprägt. Das Essen war auch nicht wirklich toll. Aber dennoch hatten wir eine gute Zeit und haben das Beste daraus gemacht. Es kann ja auch nicht immer nur gute Erfahrungen geben. Unser Rückflug war auch sehr interessant. Ein Italienier und ein Bulgare wollten sich gegenseitig verprügeln, weil der Bulgare sich von den Blicken des Italieners provoziert gefühlt hat. Aber Gott sei Dank war das Flugpersonal als Streitschlichter relativ erfolgreich und so sind wir auch sicher in Rom gelandet.

Benvenuti a Roma

Thursday, November 3rd, 2016

Die Anreise

Am 14 September 2016 startete ich mein Abenteuer Auslandsemster. Innerhalb von 1.5 Stunden ging es für mich von Stuttgart nach Rom. Dort gibt es 2 Flughäfen: einen in Ciampino, der eher für Kurzstreckenflüge gedacht ist, und einen in Fiumicino, welcher für internationale Flüge genutzt wird. Vom Flughafen Fiumicino aus kann man entweder mit dem Bus oder mit dem Zug nach in die Innenstadt Roms fahren. Nebenbei bemerkt: Man kann auch sehr gut mit der Bahn anreisen. Das rentiert sich vor allem, wenn man viel Gepäck hat. Ich hatte mich aufgrund des günstigen Preises von 4 Euro allerdings für den Bus entschieden. Da ich Mitte September, was der Hochzeit des Touristenanfluges entspricht, geflogen bin war der Flughafen entsprechend voll. Am Termini, dem Hauptbahnhof Roms, angekommen habe ich mir ein Taxi zu meiner Wohnung genommen da ich mir nicht vorstellen konnte mit meinem ganzen Gepäck in die sowieso schon viel zu volle Tram zu steigen. Ich habe dem Taxifahrer versucht auf Italienisch klarzumachen wo ich hinmöchte. Dieser hat natürlich wahrgenommen, dass ich keine Italienerin bin und wollte mich am Porta Maggiore gleich abzocken. Das ist ein großer Kreisverkehr und jede Ausfahrt sieht so ziemlich gleich aus. Da ich mich aber in Rom bereits auskannte und wusste wo ich hinmusste habe ich ihn höflich darauf hingewiesen, dass er doch eben bitte diese eine Ausfahrt in Richtung Pigneto/Prenestina rausfahren soll und nicht zweimal im Kreis zu fahren braucht.

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Porta Maggiore

 

Öffentlicher Transport oder auch: Das Chaos lebt !

In Rom gibt es drei U-Bahn-Linien, die Metro A, Metro B. und die Linie C. Man kommt mit der Metro sehr gut überall hin, da die Metro quer durch Rom alle Hauptpunkte anfährt und in der Metro die Haltestellen immer angesagt werden. Auf die Metro kann man sich im Regelfall eigentlich auch immer verlassen. Sie fahren im Minutentakt, allerding nur bis Mitternacht. Danach ist man auf die Nachtbusse angewiesen. Die Fahrpläne für die Busse stehen einem per App zur Verfügung. Die Fahrt mit den Bussen macht allerdings wenig Spaß. Gedrängel ist an der Tagesordnung und im Bus fühlt man sich dann auch schnell wie eine Sardine in der Dose. Ein Semesterticket von der Uni gibt es nicht. Als StudentIn kann man sich eine Monatsfahrkarte für 35 Euro kaufen, das ist genauso viel wie alle anderen Nicht-Studenten auch zahlen müssen. Allerdings ist der ganze Spaß immer noch günstiger als die Hildesheimer Preise. Die öffentlichen Verkehrsmittel streiken regelmäßig einmal im Monat, was hier auch als sciopero bezeichnet wird. Man muss sich darauf einstellen, dass der Weg zur Universität oder ins Zentrum teilweise schwierig wird oder man erst gar nicht in die Stadt kommt.

 

Universitätsleben

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Die Aula Magna – Das Zentrum der La Sapienza

Die Sapienza ist die größte Universität Europas und berüchtigt für ihre chaotische Organisation. Die Einführungsveranstaltungen für die ERASMUS-Studenten fanden unter dem Motto ,,Welcome Week‘‘ statt. Angeboten wurde alles was man über das Studium an der Sapienza wissen muss. Im Großen und Ganzen waren die Workshops aber nicht wirklich hilfreich, da sie zu allgemein gehalten waren und man die ganzen Informationen auch im Internet hätte finden können. An der Sapienza müssen alle Ausländischen Studenten einen Sprachkurs belegen und vorher einen Einstufungstest auf Italienisch machen. Bis die Ergebnisse für die Kursverteilungen rauskamen, verging jedoch ein Monat. Als ich nach einem Monat immer noch kein Ergebnis per Mail bekommen habe ergriff ich die Initiative und meldete mich bei den Verantwortlichen des Tests. Dort habe ich lediglich die Auskunft bekommen, dass keine Ergebnisse von mir vorliegen würden (und dass obwohl ich nach dem Test meine E-Mail Adresse und Telefonnummer abgeben musste). Ich solle doch stattdessen einfach in irgendeinen Kurs gehen. Entschieden habe ich mich für den B1 Kurs welcher meinem Sprachniveau entspricht. Innerhalb der ersten Tage musste ich mich bei meinem zuständigen ERASMUS-Büro anmelden. Der Auskunft über die Öffnungszeiten im Internet jedoch kann man nicht trauen und sollte lieber selbst zum Büro gehen und sich erkunden, wann es geöffnet ist. Generell gilt an der Sapienza: traue nicht den Auskünften im Internet, erkundige dich persönlich. Ich bin an der Fakultät Medicina e Psicologia eingeschrieben und konnte mir den Stundenplan anhand von Aushängen im Fakultätsgebäude selber zusammenstellen. Allerdings dauerte es auch hier zwei Wochen nach Semesterbeginn, bis die Aushänge für die Kurse fertiggestellt waren. Insgesamt besuche ich hier frei Kurse: Psicologia Clinica, Psicologia del lavoro e delle organizzazione und Salute Pubblica. Die Vorlesungen finden alle auf Italienisch statt und unterscheiden sich sehr von denen an unserer Universität. In Italien hält der/die ProfessorIn einen zweistündigen Vortrag ohne jegliche Interaktion mit den StudentInnen. Das war vorallem zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig für mich. Referate und Gruppenarbeiten sind genauso ein Fremdwort wie Partizipation. Auf jeden Fall sollte man die Dozenten darüber informieren, dass man ERASMUS-Student ist. Wie man sehen kann ist das italienische Studiensystem viel hierarchischer strukturiert als das Deutsche. Dies bedeutet, dass die Studenten in der Rangfolge ganz unten stehen und auch dementsprechend wenig zu melden haben. In dem Studiengang sieht die Prüfungsvorbereitung meist so aus, dass die Bücher zum jeweiligen Thema (auch meist vom Professor, der die Vorlesung hält) auswendig gelernt werden müssen und das man am Ende des Semesters eine mündliche Prüfung ablegen muss. Meines Erachtens hat das den Nachteil, dass eigenständiges Denken und kritisches Hinterfragen weitgehend auf der Strecke bleibt. Allerdings ist das Wissen, das man dort im Laufe der Studienzeit erwirbt sicherlich breiter, da man sich weniger auf einzelne Themengebiete konzentrieren muss.

 

La dolce Vita

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Einiges muss man sich gleich zu Anfang bewusst werden: Rom ist chaotisch, laut und teuer. Nicht nur die Mieten für ein Zimmer sind unglaublich hoch, sondern auch die Lebenserhaltungskosten. Das einzige, was im Vergleich zu Deutschland günstig wirkt, ist Kaffee. Einen Cappuccino gibt es schon ab einem Euro. Kulturell hat die Stadt sehr viel zu bieten. An jeder Ecke lässt sich ein historisches Bauwerk finden und es gibt auch diverse interessante Ausstellungen in den zahlreichen Museen. Als StudentIn der Archäologie oder Geschichte bekommt man in Museen und Sehenswürdigkeiten freien Eintritt, ansonsten gibt es überall Studentenrabatt. Zum Ausgehen eignen sich sehr gut die Viertel San Lorenzo und Trastevere.

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Trastevere

Dort gibt es zahlreiche Restaurants und gute Bars in denen gelegentlich Live-Musik gespielt wird. Alkohol ist hier aber deutlich teurer als zu Hause: einen Cocktail bekommt man ab 9 Euro. Das Studentennetzwerk ESN organisiert auch regelmäßig Partys, Exkursionen und Reisen zu anderen Städten Italiens. Darüber berichte ich aber noch ausführlicher in meinem nächsten Blog Post.

Ci vediamo, Anne