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Abschied

Thursday, October 14th, 2010

Nach lebhaften Diskussionen über mögliche Kooperationsmöglichkeiten am Vorabend ging es Dienstagmorgen noch einmal zum American College, wo wir das SCILET (Study Centre for Indian Literature in English and Translation) besuchten, das indische Literatur sammelt und z.T. digitalisiert, und wo Francis eine letzte Präsentation über seine Theaterstücke gab – wieder war das Interesse sehr groß. Ein kurzer Lunch noch, dann fuhren wir zum Flughafen und flogen über Bangalore zurück nach Mumbai.

Der letzte Tag in Mumbai hat dann noch einmal alles gefordert. Wir fuhren mit einem der billigen Taxis in die Stadt (unser Hotel lag am Flughafen) und besahen uns dort erst das Gateway to India, von wo wir mit einem der kleinen Boote rüber zur Insel Elephanta fuhren. Die Insel ist bekannt für den Tempelkomplex, der in Höhlen angelegt ist und in den Stein gemeißelte Statuen enthält, die wirklich eindrucksvoll sind, darunter Shiva mit drei Gesichtern, eines DER Symbole für Indien.

Der Ausflug lohnt sich wirklich, übrigens auch wegen der Affen auf der Insel… 🙂

Nach der Rückkehr aufs Festland aßen wir noch eine Kleinigkeit und nahmen dann ein weiteres Billigtaxi zurück – eigentlich sollte es 45 Minuten brauchen, wir waren dann über zwei Stunden unterwegs: Rushhour! Dazu kam, dass der Taxifahrer keine rechte Ahnung hatte, wo unser Hotel liegt, sich verfuhr und dann erst einige Kollegen fragen musste. Als wir schließlich ankamen, viel später als geplant, waren wir fix und foxi (auch mitfahren kann bei diesem unglaublichen Verkehr anstrengen! Es war einfach unbeschreiblich!) und legten uns noch einige Stunden hin, bevor es um 1h nachts zum Flughafen ging, Richtung Norden.

Nun sitze ich wieder hier in Hildesheim, ziemlich müde. Und sehr, sehr wehmütig.

Was mir fehlen wird:

  • das bunte, quirlige Straßenleben
  • das Kopfschütteln der Inder
  • die Farben und Gerüche (na gut, nur teilweise)
  • das indische Essen!
  • Die sanfte Art der Menschen
  • die Wärme
  • das überraschende Gefühl der Sicherheit trotz aller Fremdheit

was mir nicht fehlen wird:

  • das schlechte Leitungswasser
  • Idlis zum Frühstück (sind gut, aber Müsli ist besser…)
  • die Diener (sind nett, aber ohne ist einfacher)
  • die Malariamücken (sind nur lästig!)
  • die Abgase

Würde gerne eines Tages zurückkehren in diese faszinierende Welt!

mb

Ein warmes Willkommen…

Monday, October 11th, 2010

…haben wir hier am American College erfahren. Ein großes Banner empfing uns schon am Eingang, auf dem wir als “Freunde von der Universität Hildesheim” willkommen geheißen wurden.

Nach einem kurzen Gang über den Campus (das AC ist über 100 Jahre alt und hat wunderschöne Gebäude und einen sehr grünen Campus mit vielen Bäumen, etwa 4000 Studierende) und Besichtigung von Einrichtungen wie Mensa und den Wohnheimen (alles sehr einfach, aber sauber) wurden wir zum Leiter, dem Principle geführt. Dieser begrüßte uns und wir unterhielten uns eine Weile, bevor wir ins Auditorium gingen – wo zu unserer Überraschung der Saal voll mit Dozenten und Studierenden war, die uns sehen und unsere Präsentationen erleben wollten. Dies ist um so überraschender, als diese Tage hier Prüfungen stattfinden und die Studierenden eigentlich anderes im Kopf haben. Aber wir waren eindeutig DIE Attraktion, auch auf dem Campus, wo wir überall neugierig, aber mit viel Herzlichkeit und Freundlichkeit beäugt wurden. Premila und der Principle hielten eine kurze Rede, dann wurden wir mit aufwendigen Blumenkränzen behängt und erhielten ein Willkommensgeschenk.

Danach begann ich mit der Vorstellung unserer Universität und nach einer kurzen Teepause folgte Francis mit seiner Präsentation. Lebhafte Diskussionen und echtes Interesse. Der Lunch kam von einem Caterer, gutes indisches Essen, das wir wieder mit Händen aßen (wer wollte, bekam auch einen Löffel). Dann stelle Thomas Mandl Information Sciences in Hildesheim vor, auch hier wieder viele Zuhörer. Wir sahen uns noch das Centrum für behinderte Studierende an, eine ganz neue Einrichtung, die das starke soziale Engagement des College zeigt. Dann hatten wir eine kurze, hitzebedingte Pause, bevor es zum neuen Campus ging, auf dem u.a. die Informationswissenschaften ausgebaut werden sollen.

Der neue Campus ist wirklich ein Prachtstück: ein riesiges Gelände mitten in wunderschöner Natur, die Berge im Hintergrund, erholsame Stille, in der man den Lärm der Stadt nachträglich spürt, wunderschöne moderne Gebäude, die nur noch auf die Studierenden warten. Im November sollen die Kurse starten, erst für Social Work und Business Studies (beides MA), später für Computer Sciences. Auf der großzügigen Terrasse aßen wir im Sonnenuntergang noch einige Kekse und tranken als Sunsetter Wasser, genossen die Atmosphäre, bevor es zurück in die Stadt ging. Dort ging gerade ein starker Monsunregen nieder. Die Leute hier scheinen sich nicht darum zu scheren, sie fahren stoisch weiter auf ihren Fahrrädern oder Motorrädern, stapfen durch die tiefen Pfützen, in ihren leichten Sachen.

Gleich geht es zu einem letzten gemeinsamen Abendessen los, dann morgen Vormittag ein letzter Unibesuch, bevor es wieder Schritt für Schritt (oder besser Flug für Flug) Richtung Norden geht…

mb

Idli zum Frühstück und Götter zur Nacht

Sunday, October 10th, 2010

Ich bin ja eigentlich bekennender Müsli-Freak, was das Frühstück angeht, aber hier esse ich (ok, mangels Alternative) seit zwei Tagen morgens Idli, gedämpfte Reis”fladen” mit sehr scharfer Currysauce (die Alternativen wären noch herzhafter) – man gewöhnt sich an alles. Der Tee allerdings ist hier so extrem mit Milch und Zucker versetzt, dass wir ihn lieber schwarz bestellen und dann selbst Hand anlegen – was die Bediensteten immer wieder schockt.

Aber eigentlich wollte ich von gestern Abend und dem heutigen Tag erzählen. Premila holte uns nachmittags im Hotel ab und fuhr mit uns in ein Stoffgeschäft mit wunderschönen Stoffen und in einen Laden, der neben tausend anderen Dingen auch lose Gewürze anbot – der Duft in diesem Laden war unbeschreiblich! Die Verständigung recht schwierig, weil der Inhaber nur Tamil sprach, aber Premila übersetzte alles.

Danach ging es zum größten Tempel der Stadt, der zum Glück in die äußeren Hallen (riesig!) und das heilige Innere unterteilt ist, so dass auch wir Nicht-Hindus ihn – barfuß, versteht sich – betreten durften. Eigentlich darf ich eine Beschreibung gar nicht erst versuchen, denn das Ganze ist einfach unbeschreiblich. Viele, viele Menschen, selbst abends noch, kein einziger Westler außer uns, im Eingangsbereich Kitschläden vor heiligen Statuen, daneben auf dem Boden Frauen, die zum Schmuck fürs Haar Blumen anbieten, Händler, die Opfergaben aus Bananen und Kokosnüssen zusammenstellen und für die Pujas verkaufen, überall die einfachen Butterkerzen, die mit bunten Blinklichtketten um die Wette leuchten, Gewusel, ein Elefant, der nach einer Geldgabe mit seinem Rüssel den Spender segnet, Statuen überall, denen man Gaben darbringt (ich blicke in diesem Göttergewusel einfach nicht durch), oft mit Farbe beschmiert. Hanuman, der Affengott, war sehr beliebt, hier konnten sich die Pilger rote Farbe abnehmen und auf ihre Stirn tupfen (überhaupt liefen alle mit weißen oder roten Markierungen auf der Stirn herum).

Im Hintergrund gesungene Mantras, um einen herum immer wieder Menschen auf dem Boden sitzend im Gebet, ungeachtet des Betriebs.

Heute Vormittag waren wir noch einmal dort, eine ganze andere Stimmung, weil es nun ja hell war, die Grundstimmung jedoch war dieselbe. Die Eindrücke überwältigend.

Da heute, am Sonntag, an Arbeit im Sinne von Kooperationsgesprächen, so und so nicht ernsthaft zu denken war, nutzten wir den Tag dazu, im Basar noch ein wenig herumzuschauen, am American College kurz eine Aufführung von Studenten zu besuchen und dann zu einer weiteren Art Tempelanlage zu fahren, die ein Stück außerhalb liegt. Premila erzählte uns, dass Madurai mal von jemandem als “das größte Dorf der Welt ” (gut 1 Millionen Einwohner, sorry, falls ich oben was anderes geschrieben habe) bezeichnet hat. Eine absolut treffende Beschreibung! Es wirkt ärmlich, ursprünglich, ganz anders als Pune. Überall die Kühe auf den Straßen, Hunde, ärmliche Behausungen, Männer in Lendenschurzen, fast alle barfuß. Der Verkehr gleichzeitig so chaotisch wie in Pune und Mumbai, aber – wie schon dort – gleichzeitig sehr gelassen, unaufgeregt, ohne Aggressivität (Hupen ist ja nicht aggressiv).

In der besagten Tempelanlage wieder viele Götterstatuen, lokale Gottheiten, die mit Kerzen und anderen verehrt werden. Brahmanen mit Lendenschurz und der Schnur über dem Oberkörper, versahen ihren Dienst, Frauen kochten einen Reisbrei über offenem Feuer, gaben Portionen in frische Bananenblätter und verteilten diese (u.a. an uns). War schon sehr eindrücklich. Besonders die heilige Kobra, die einmal im Jahr sich zeigen soll (leider nicht bei uns).

Die schwarzen Statuen ringsum zeigen ebenfalls Kobras (die Katze gehört nicht dazu…).

Ziemlich erledigt fuhren wir ins Hotel zurück, wo wir noch eine Weile mit Premila zusammensaßen und uns über unsre Unis austauschten. Heute bisher – anders als gestern – übrigens kein Monsunregen am Abend.

Morgen beginnt die eigentliche Arbeit hier, ein stressiger Tag voller Präsentationen und wichtiger Gespräche erwartet uns…

mb

Indische Eigenarten

Saturday, October 9th, 2010

Während Thomas und ich gestern noch einen spätabendlichen Stroll durch die belebten Straßen mit den vielen kleinen Straßenständen gemacht haben (man fühlt sich wirklich sehr sicher hier und wird – anders als in Mumbai – auch nicht angebettelt), bereitete sich Francis auf seine Präsentation über Intercultural Communication vor, die heute Morgen stattfand.

Das Publikum bestand überwiegend aus interessierten Dozenten, die sehr angetan waren, auch von der Art der Präsentation, der Lockerheit. Sehr indisch, für mein Empfinden, war die Tatsache, dass mitten in der Präsentation einer der Bediensteten kam, um Kekse und Kaffee für alle Zuhörer und den Referenten zu bringen und vor jeden hinzustellen (bei uns wäre eine solche „Unterbrechung“ unvorstellbar). Ein indischer Zug, an den ich mich wirklich gewöhnen muss: die allgegenwärtigen „Diener“ im Hotel, in den Lokalen, in der Uni, die ständig auf den leisesten Wink warten (der Principle des Instituts für Liberal Arts hat dafür einen Beeper, mit dem er jederzeit einen dienstbaren Geist rufen kann), die Kofferträger, die dich enttäuscht ansehen, wenn Du selbst den Koffer tragen willst, die Bediensteten im Frühstücksraum, die dir sogar deinen Toast schmieren wollen. Nicht ganz einfach.

Nach der Präsentation noch lebhafte Diskussionen mit unseren Gastgebern über Intercultural Communication und Religion. Erfrischend, wie offen alles diskutiert wird. Als ich am Vortag unsere Minervaeule als kleines Präsent überreichte, wurden wir mit Humor darüber aufgeklärt, dass eine Eule in der indischen Kultur eher negative Assoziationen weckt (wenn eine Eule in einem Garten ruft, bedeutet das z.B., dass er bald zerstört wird). Die Fragen wirken manchmal irritierend direkt (Welche Religion hast du? Bist du verheiratet?…), ebenso offen beantworten unsere Gastgeber jedoch ähnliche neugierige Fragen an sie selbst, so dass wir viel erfahren und lernen.

Anschließend sprachen wir noch einmal über Kooperationsmöglichkeiten und konkretisierten die nächsten fälligen Schritte. Interessant fand ich dabei, dass die Inder das vorbereitete MOU gar nicht zur Hand nahmen, sondern erst einmal nur mündlich – hier aber recht genau – die Möglichkeiten ausloten wollten. Das Schriftliche kommt später. Die Atmosphäre war sehr kooperativ und ermutigend. Danach ging es dann zu den verdienten späten mittaglichen Snacks in einem sehr lebhaften Café, in dem auch viele Studierende essen, dann folgte eine kurze Pause zum Kofferpacken, bevor wir erst zuhause bei einer Parsi-Frau zum Tee und danach von ihr zu einer Vorstellung mit indischer Musik und Tanz (von traditionell bis Bollywood) eingeladen waren. Ein wirklich schöner Abend, an dem nur die Moskitoschwärme störten, die uns umwolkten.

Nun bin ich schon wieder viel weiter südlich, wir sind gerade in Madurai angekommen, gegenüber Pune quasi ein Dorf (nur rund eine halbe Million Einwohner), auf dem Weg vom Flughafen ins Zentrum etliche der berühmten Kühe, von Zeburindern gezogene Karren, neben den “normalen” Motorradrikschas noch einige Fahrradrikschas, überall Tempel, selbst den Rikschas hat man Augen aufgemalt. Alles sehr bunt, lebhaft, noch ursprünglicher hier als in Mumbai und Pune. Soweit die allerersten Eindrücke. Gleich treffen wir uns noch mit Premila, unserer Kontaktperson, die uns schon im Hotel begrüßt hat. Vorher noch eine kleine Verschnaufpause (heute früh sind wir um 5h aufgestanden, das spürt man dann doch).

mb

Von wilden Fahrten und Essenssitten

Thursday, October 7th, 2010

Die Inder, die wir bisher kennen gelernt haben, sind wirklich ungemein herzlich, offen und humorvoll. Gestern Abend haben wir zum ersten Mal die KollegInnen (in der Mehrzahl Frauen) von Symbiosis getroffen, die uns zu einem typisch indischen (scharfen) Abendessen einluden, und es wurde ein sehr fröhlicher, interessanter Kennenlernabend, während dem wir sofort einen Draht zueinander fanden. Wir waren wohl alle etwas überrascht vom Ausmaß der Herzlichkeit und der engagierten Offenheit für eine Zusammenarbeit, mit der sie uns begrüßten.

Und dieser Eindruck verstärkte sich heute im Laufe des Tages noch. Nach einem Rundgang über den sehr grünen, modernen Campus trafen wir uns zu einem ersten „offiziellen“ Sondierungsgespräch. Der Rahmen sieht sehr gut aus, morgen werden wir in einem zweiten Sondierungsgespräch das konkretere Memorandum of Understanding besprechen. Wir besuchten noch parallel das International Office und das Institut für Computer Science, bevor wir uns schließlich zu einem Lokal mit typischen regionalen Spezialitäten aufmachten. Das Problem war, wie immer, nur, über die Straße dorthin zu kommen. Selbst in Begleitung von erfahrenen Indern war es ein Geduldsspiel: einige Zentimeter auf dem – natürlich völlig irrelevanten – Zebrastreifen vorrücken, so dass der dichte Verkehr vor und hinter dir entlangströmt, wieder Rückzug um einige Zentimeter, erneuter Vorstoß, wieder zurück usw., bis irgendwann eine Lücke kommt, die groß genug zum Drüberkommen ist. Der Lohn für die Fleißarbeit war ein exzellentes Essen: Viele Art Dips und Saucen mit verschiedenen Arten von Fladenbrot, alles sehr scharf und natürlich mit den Fingern gegessen. Der Prozentsatz der Vegetarier ist hier sehr hoch und manchmal sieht man sogar Lokale, die draußen extra bekannt geben, dass sie nichtvegetarisches Essen servieren. Das Essen mit den Fingern selbst war nicht so kompliziert, wie gedacht, eher schon, die linke Hand im Zaum zu halten, die beim Abreißen helfen wollte. Nach dem Essen die übliche Schale mit warmen Wasser und einem Limonenstück, die zur Fingerwäsche dient. Während des Essens weitere spannende Gespräche über die indische Kultur, man erfährt so viele Details (nicht nur, welche Art von Fladen man mit welchen Dips kombiniert und welche nicht). Eine der Mitarbeiterinnen begleitete uns danach zum Goetheinstitut, das wir nachmittags besuchten. In zwei Mopedrikschas fuhren wir dorthin – ein echter Spaß, wenn man Nerven hat. Nicht nur die Rikschafahrer sind virtuos, ständig beobachtet man Beinahzusammenstöße um weniger als Haaresbreite.

Im Goetheinstitut begrüßte uns der Leiter, Herr Flucht, sehr herzlich und erzählte uns ein wenig mehr über Pune und seine Arbeit dort. Mit 182 deutschen Firmen ist Pune DER deutsche Firmenstandort in Indien, die Deutschkurse sind überfüllt, die Schüler lernen z.T. Schon in der Schule Deutsch. Auch hier also gute Voraussetzungen.

Etwas erschlagen von all diesen Details und den sich auftuenden Möglichkeiten nahmen wir zu dritt eine Rikscha – eng, aber nett – zurück zum Hotel. Morgen folgt die nächste Runde…

mb

Noch ein paar Tausend Kilometer weiter – gefangen auf der Kreuzung

Wednesday, October 6th, 2010

Nun sitze ich in Pune (noch einmal 2186 km von Dubai entfernt), den ersten Mumbai-Aufenthalt haben wir gut überstanden, wenn auch dann und wann mit Herzklopfen. In der Dunkelheit in einem Land anzukommen ist immer eine Besonderheit. Die Einreise war erfreulich problemlos, vor dem Verlassen des Flughafens rieben wir uns erst einmal gründlich mit Mückenmittel ein, denn der Flughafen liegt im zweitgrößten Slum der Welt (1 Millionen Einwohner, Mumbai selbst hat übrigens über 16 Millionen) in einer sumpfigen Gegend mit vielen Malariamücken – muss ja nicht sein. Draußen dann: Indien hat seinen eigenen Geruch. Das werde ich noch öfter denken. Am Flughafen war es warm, leicht würzig. In der Stadt nach Abgasen, Urin, Paan, Gewürzen, Armut. Aber auf jeden Fall riecht Indien viel stärker (oder nur anders?) als Deutschland.

Der Verkehr – wie erwartet – chaotisch. Hupen ohne Ende. Der Verkehr ist wie ein Vogelschwarm, wo sich alle Mitglieder ständig zurufen „Hier bin ich – wo bist du?“ – nur viel ungeordneter als jeder Schwarm. In Mumbai waren wir heute morgen relativ lange auf einer Kreuzung, einem schmalem Mittelstreifen, gefangen, es war unmöglich, mit heiler Haut zwischendurch über die Straße zu kommen. Irgendwann klappte es dann doch. Man wird schnell hier auf den Straßen und geschickt. Gestern Abend waren wir noch in einem kleinen Lokal essen. Unterwegs überall auf den Bürgersteigen schlafende Menschen, z.T. Ganze Familien. Eine Frau hatte ein Tuch so zwischen zwei Pfosten aufgespannt, dass ihr Baby darin liegen konnte wie in einer Hängematte. Die Armut bedrückt, die Menschen rücken dir stark auf die Pelle, folgen dir unentwegt. Überall Flecken von Paan, dem Zeug, dass hier gekaut wird und das leicht berauscht. Bei den Ständen der Händler fallen sie besonders auf, sie sind blutrot.

Nach einer ziemlich schlaflosen Nacht (das Zimmer stank entsetzlich nach Chemie, mit dem sie hier versuchen, das Ungeziefer in Zaum zu halten) heute Morgen Frühstück in einem von Indern frequentierten Frühstückslokal. Sie essen gedämpften Reis oder Frittiertes, wir bestellen uns Toast. Es ist mit Tomaten und Gurken belegt – sofort wieder Unsicherheit wegen Keimen und Krankheiten, die man sich so holen kann. Man muss sich vom Essen her doch sehr umstellen, worauf man achten muss, was man besser nicht isst und trinkt. Trotz allem fühle ich mich bisher noch bemerkenswert sicher. Die Leute wirken freundlich, die Kultur und Atmosphäre erinnern mich sehr an Mexiko.

Wie gesagt, inzwischen sind wir in Pune. Wir haben heute Mittag den Zug genommen, ziemlich abenteuerlich,enger und netter Kontakt zur Bevölkerung (die Kinder sind wirklich anhänglich), immer wieder kommen fliegende Händler mit Kaffee, Tee, Essen, Süßigkeiten durch den engen Gang, draußen erst noch lange Mumbai, dann wirklich schöne, grüne Landschaft. Es geht in die Hügel (Pune, ebenfalls eine Millionenstadt, liegt gute 500m hoch, Mücken gibt es hier aber leider trotzdem…). Das Hotel ist angenehmer als die letzten beiden, die Dusche eine reine Wohltat. Wenn ich jetzt rausschaue (ich sitze in der Lobby), sehe ich Palmen am Straßenrand und höre das übliche Hupkonzert. In etwa einer Stunde treffen wir zum ersten Mal die Kollegen von Symbiosis, einer der potentiellen Partnerunis.

Erster Eindruck Indien: lively, ungezähmt, intensiv – ja, intensiv passt am besten. Von Gerüchen überall, Geschmack und Menschen.

mb

1536 km südöstlich von Hamburg….

Monday, October 4th, 2010

…sitze ich gerade, während ich diesen ersten Eintrag schreibe. Sagte uns nach dem Flug zumindest die Fluganzeige. Und morgen folgen weitere 2-3 Flugstunden, bevor wir in Indien landen. Zur Zeit sind wir in Dubai, wo wir (Francis Jarman, Thomas Mandl und ich) einen kleinen Zwischenstopp einlegen auf dem Weg zu zwei potentiellen neuen Partnerunis in Indien.

Nach der Ankunft langes, langes Schlangestehen vor der Passkontrolle, wo wir auch unser Visum bekommen. Vorher in Hamburg haben wir noch den Körperscanner getestet, das ging deutlich rascher. Nachdem der Taxifahrer sich ordentlich verfahren hat, landen wir gegen 2h morgens im Hotel. Hier kneippen wir heute ordentlich: eiskalte Metro und Gebäude, Bullenhitze, sobald man ins Freie kommt. Entweder es haut uns um oder wir werden jetzt extra fit und gesund. Heute Vormittag hat uns eine Bekannte von Francis den modernen Teil Dubais gezeigt, die Wolkenkratzer und Edelhotels, bei einem Kaffee rege Diskussionen über Dubai und Indien, Hindus und Moslems, Einwanderungspolitik und Heiratsregeln. Schon jetzt viel erfahren und gelernt. Nachmittags waren wir auf eigene Faust in den alten Souks und sind mit dem Bootstaxi übergesetzt in die Altstadt. Der Muezzin begleitete uns mit seinem Gesang. Im Gewürzbasar betäubender Duft der vielen Gewürze. Ich dachte mal, ich kenne mich da aus – aber ich habe nur wenig Gewürze wiedererkannt.

Kleine Pause jetzt, bevor wir uns noch einmal mit besagter Bekannten treffen, die wir zum Essen einladen wollen. Bilder werde ich wohl später mal einstellen. Erste Eindrücke von Dubai zusammengefasst: Megamodern in vielerlei Hinsicht, voll ausgerichtet auf Shopping (riesige Malls),sehr sauber, sehr westlich irgendwie. Und dazwischen ahnt man Arabien.

mb

Tervetuola – Finnland empfängt Deutschland in Helsinki

Friday, November 13th, 2009

Kalt ist’s draußen, ziemlich kalt sogar. Als wir am Mittwochabend ankamen – in Frankfurt hatte ich auf dem Flughafen schon zwei Kolleginnen aus anderen Auslandsämtern getroffen und so kamen wir zu dritt hier in Helsinki an -, sahen wir auf der Fahrt vom Flughafen in die Stadt schon den Schnee liegen. Gut, dass ich warme Unterwäsche eingepackt hatte! 🙂
Es ist Nachmittag und ich habe eine kleine Verschnaufpause nach recht anstrengenden Tagen. Aber was tue ich hier überhaupt? Eingeladen hatten der DAAD und das finnische Pendant, der CIMO, zu einem Kontaktseminar in Helsinki.
Das Ziel: Finnische und deutsche Universitäten zusammenbringen, über ERASMUS und Bologna diskutieren, sich besser kennen lernen, die Kooperationen verbessern und neue mögliche Partneruniversitäten finden.
Der Weg: Die Deutschen (Vertreter von Auslandsämtern und Dozenten) reisen für vier Tage nach Finnland, wo sie mit den finnischen Kollegen zusammentreffen. So treffen insgesamt etwa 90 Teilnehmer aufeinander.
Das Resultat: Zwei Tage Reise, zwei Tage mit vollgepacktem Programm, viele, viele neue nette Kontakte und interessante kulturelle Beobachtungen.


Nach einem ersten gemeinsamen Abendessen im Hotel am Mittwoch hatten wir gestern einen langen, langen Vormittag vor allem mit Vorträgen. Ungewohnt war die Zeitumstellung: Da hatte man gerade erst die Umstellung auf Winterzeit in Deutschland verarbeitet, schon konnte man sich hier jetzt noch einmal umstellen – in Finnland sind die Menschen stets eine Stunde voraus! Insofern sahen wir alle recht müde aus, als der deutsche Botschafter uns um 9h (für uns 8h) morgens im Konferenzraum des CIMO begrüßte: Tervetuola, herzlich willkommen. Nach weiteren Grußworten ging es um die Hochschulsysteme in Finnland und Deutschland, ERASMUS in beiden Ländern und Motivation und Hindernisse der Studierenden, ins je andere Land zu gehen (hier erzählten ein finnischer Student und eine deutsche Studentin von ihren Erfahrungen).

Nachmittags begann dann die Kontaktmesse

Schon am Morgen hatte es eine kurze Vorstellungsrunde gegeben, jetzt pendelte man zwischen dem eigenen Stand und dem der finnischen Unis und knüpfte Kontakte, fragte nach Studiengängen, pries die eigene Uni an und sammelte Infomaterial. Erstaunlich viele der finnischen Partner konnten Deutsch, allgemein war die Sprache jedoch Englisch. Ein bunter, sehr reger und fruchtbarer Nachmittag, der uns schließlich nur noch eine knappe Stunde Zeit ließ, bevor wir uns am Hafen für eine kurze Fährfahrt rüber auf eine Insel trafen, wo ein gemeinsames Abendessen uns erwartete.

Die Inselgruppe war übrigens über lange Zeit Sitz erst von schwedischen, dann von russischen Truppen besetzt und wurde als Stützpunkt benutzt, heute ist eine der Inseln noch von der finnischen Navy “bewohnt” und untersteht ansonsten dem Erziehungsministerium… einen Unterwassertunnel zum Land soll es auch noch geben, den haben wir jedoch auf dem Rückweg nicht ausprobiert, sondern sind lieber wieder mit der Fähre zurückgefahren.
Zusammenfassung des Abendessens: Der finnische Fisch ist hervorragend! Und witzigerweise waren bis auf den Räucherlachs (es gab ein Buffet) alle Varianten des Herings, ja sogar das Fleisch und das Gemüse leicht süßlich – aber lecker! 🙂

Auch am nächsten Morgen ging es schon um 9h los, diesmal wurden sogenannte Best-Practice-Beispiele vorgestellt: Ein Double-Degree-Master “Werbung interkulturell” der Aabo Akademi und der Katholischen Universität Eichstätt sowie Internationalisation at home an der JAMK University of Applied Science in Jyväskylä. Solche Beispiele und die Gespräche sowohl mit den Finnen als auch mit deutschen Kollegen sind es, die Funken schlagen, neue Ideen entstehen lassen, die Motivation neu anstacheln, damit man auch zuhause an der eigenen Uni Neues ausprobiert oder Gewohntes verbessert. Ein Schatz an Erfahrungen, der hier miteinander geteilt wird!
Vertieft wurde das Ganze in der Abschlussdiskussion, in der es auch um die Frage ging, wie man ERASMUS zwischen Finnland und Deutschland noch vertiefen und verbessern kann. Es stellte sich nebenbei deutlich heraus, dass beide Seiten hoch zufrieden mit den Kooperationen sind und sowohl die deutschen als auch die finnischen Studierenden in aller Regel von ihrem Auslandssemester im anderen Land schwärmen. Wobei besonders in Finnland die Betreuung der Studierenden wirklich exzellent ist.

Nach einem frühen Lunch teilten wir uns dann in zwei Gruppen, um noch je drei finnische Unis bzw. Fachhochschulen in Helsinki zu besichtigen. Besonders interessant war für mich dabei natürlich die University of Helsinki. Sie hat rund 35.000 Studierende und ist in den Rankings eine der Top-Universitäten in Deutschland. Der Hauptcampus, an dem auch die Geisteswissenschaften angesiedelt sind, liegt mitten in der Stadt in einem ehrwürdigen Gebäude. Die Uni ist offiziell zweisprachig, finnisch und schwedisch, in der Praxis wegen des großen Angebots an englischsprachigen Veranstaltungen jedoch dreisprachig. Jedes Jahr empfängt sie etwa 1500 international students aus 107 Ländern, die vor allem wegen der Qualität der Lehre, der guten Betreuung, dem englischsprachigen Angebot, der relaxten Atmosphäre und der guten Ausstattung bspw. in Sachen Computer, Bibliotheken und Sport kommen. Attraktiv ist auch, dass die incomings an der Uni Helsinki sehr frei in der Wahl ihrer Kurse sind, es gibt wenig Restriktionen, was die Fakultäten angeht.

Nach diesem eindrucksvollen Besuch ging es noch weiter an die Metropolia University of Applied Sciences und an die Haaga-Helia University of Applied Sciences, beides – wie der Name schon sagt – eher praktisch orientierte Einrichtungen, mit denen wir bisher noch nicht kooperieren.
Insgesamt haben diese Besuche und vor allem auch die Infomesse am Vortrag doch einige Ideen und Namen von Kontaktpersonen ergeben, um neue Kooperationen in die Wege zu leiten bzw. alte zu erweitern.

Der Abschied heute Abend wird nicht leicht fallen, denn die Finnen waren außerordentlich gastfreundlich, herzlich und hilfsbereit. Ein sehr warmherziges Volk in einem Land der eher niedrigen Temperaturen. Einem Land jedoch auch der herben Schönheit, was die Landschaft angeht. Ich kann nur jeder und jedem empfehlen, es selbst zu erleben!


An einem Tag durch die Welt

Thursday, February 26th, 2009

Heute gab es wieder unglaublich viel Input – den ganzen Morgen bis nachmittags um halb drei lauschten wir Kurzvorträgen, in denen die verschiedensten Universitäten (alles Partner von Gandía) vorgestellt wurden. Zum Teil waren es ausländische Studierende, die ihre Uni vorstellten, den Rest der Vorträge hielten wir Gäste der International Week. Alle arbeiteten mit Powerpoint und vielen Bildern, so dass man doch einen guten Eindruck bekam – und quasi einmal um die Welt reiste. Von Deutschland über die Türkei, Litauen, Finnland, China, USA, Mexiko, Rumänien, Frankreich… am Schluss schwirrte uns ganz schön der Kopf! Aber schön, so viele Nationalitäten und Unis kennen zu lernen!

Nach einem einfachen Lunch in der Mensa hatten wir eine kurze Verschnaufpause, bevor es zu einem Ausflug in ein nahes Feuchtgebiet ging. Ein absolutes Vorzeigeprojekt der Uni, funkelnagelneu sowohl das Visitor Centre, das wirklich sehr beeindruckend und auch ästhetisch ansprechend ist, als auch das Gebiet an sich. Hier sieht man, dass auch Gandia, eigentlich ein typischer Strandort, mehr ist als nur Sand und Sonne, man bekommt einen ganz guten Eindruck von der hiesigen Flora und Fauna, und die Ausstellung ist sehr ansprechend gestaltet.

Jetzt haben wir wieder eine kleine Pause, bevor es heute Abend zum gemeinsamen Abschiedsessen geht. Und morgen heißt es schon wieder Abschied nehmen und die lange Rückreise beginnt – gen Norden, zurück in den Winter…

Auf dem Campus in Valencia – von Ziegen, Kaninchen und Food Technology

Wednesday, February 25th, 2009

Heute war Ausflugstag – wir sind mit dem Bus nach Valencia zum Hauptcampus gefahren. Noch im Bus speicherte sich eine der Auslandsamtmitarbeiterinnen unsere Handynummern und wir die ihre – sie meinte, man könne sich leicht verlieren auf dem Campus. Was kam da auf uns zu???

Der Campus wirkt wirklich riesig und sehr komplex, wie eine eigene kleine Stadt. Insgesamt hat die Politécnica fast 35.000 Studierende, davon studieren gut 30.000 auf dem Zentralcampus. Wir hielten uns also dicht an unsere Leiterinnen und besuchten als Erstes zwei Stunden lang das Forschungszentrum für Animal Research. Bei den Schafen und Ziegen ging uns allen das Herz auf und wir lauschten andächtig, als der Leiter erklärte, die Abteilung versuche, die in dieser Region endemische zimtbraune Schafart zu erhalten und auch junge Bauern zu überzeugen, mit der Schafzucht fortzufahren. Die Milch ist anscheinend um 50% wertvoller an Inhaltsstoffen als jene von normalen weißen Schafen.

Danach ging es zu den Kaninchen und hier mussten die meisten von uns doch erst einmal schlucken angesichts der engen Käfige. Die Kaninchen werden in die ganze Welt exportiert, oft als Embryos, vor allem in Entwicklungsländer, um dort die Ernährungsprobleme zu lösen. Die Vorteile von Kaninchen leuchten ein: Sie brauchen nur Grünfutter, vermehren sich rasch, sind günstiger als Kühe und es gibt keine Probleme mit religiösen Bestimmungen, wie das bei Schweinen ja der Fall ist.

Nach den Tieren ging es zum funkelnagelneuen Forschungszentrum für Food Technology, wo wir uns viele, viele Labors hinter Sicherheitstüren ansahen. Am Schluss hingen wir alle ein wenig in den Seilen, es war schließlich 14h und wir stiefelten seit 4h ohne Pause durch den Riesencampus. Es ging also in die Mensa. Anders als bei uns scheint es keine Zentralmensa zu geben, sondern nur etliche kleine Cafeterias – sehr klein, sehr eng, sehr chaotisch und laut mit langen Essensausgabeschlangen. Wir waren heilfroh, als wir endlich einen freien Platz ergatterten und sitzen und etwas essen konnten (gegen halb drei). Im Bus zurück nach Gandia sackte dann mehr als eine von uns weg in ein Nickerchen, die anderen beschauten sich die endlosen Orangenfelder.

So, genug für heute, ich werde noch einmal den Kurzvortrag über unsere Uni für morgen überarbeiten, der Tag wird noch einmal anstrengend…