Archive for November, 2014

Bonjour!

Saturday, November 22nd, 2014

 

Für alle diejenigen, die vielleicht überlegen ihre Studiumszeit durch ein oder auch zwei Semester im Ausland zu bereichern, soll dieser Blog als Orientierungshilfe dienen. Hier möchte ich gerne meine gesammelten Erfahrungen diesbezüglich teilen, solange sie noch frisch sind.

Ich heiße Julia und studiere im 5. Semester Deutsch und Musik auf Grundschullehrmat an der Universität Hildesheim. Seit Mitte September bin ich nun in Toulouse und habe schon einiges zu erzählen. Dazu muss man sagen, dass ich nicht alleine, sondern mit meinem Freund hier bin, der ebenfalls die genannte Fächerkombi studiert. In den folgenden Blogeinträgen werde ich versuchen so gut es geht all meine bisherigen Erfahrungen zu entwirren und sie irgendwie logisch und nachvollziehbar zu strukturieren, damit ihr auch etwas davon habt und nicht nur ich meinen Kopf entlasten kann.

Ich werde nicht um den heißen Brei herumreden und ebenfalls alle negativen Erlebnisse ungeschönt mit euch teilen, vielleicht aber in bekömmlichen Happen serviert, damit ihr nicht allzu abgeschreckt seid, denn soviel kann ich schon sagen: Es lohnt sich auf jeden Fall.

Das soll es  fürs Erste gewesen sein. Lasst gerne Kommentare und Fragen da, damit ich mich gegebenenfalls ein wenig danach richten kann.

Liebe Grüße aus Toulouse!

Der erste Eindruck ist zwar der wichtigste, lässt sich aber (glücklicherweise) revidieren

Tuesday, November 18th, 2014

Mein erster Tag in Frankreich war nicht gerade mein Glückstag. Mein Zug fuhr morgens um 6:40 Uhr los, ich hatte nur 3 Stunden geschlafen, weil natürlich die letzten Erledigungen gemacht werden mussten und noch eine kleine Abschiedsfeier stattgefunden hatte. Trotz allem war ich guter Dinge und die Fahrt im TGV verging ruck zuck. In Paris angekommen, musste ich mit der Metro erstmal an einen anderen Bahnhof fahren. Im Grunde kein Problem, Metro fahren ist wirklich kein Hexenwerk. Zumindest nicht, wenn man kein Gepäck hat. Wenn man allerdings für 4 Monate weg ist, nimmt man ja dann doch auch die ein oder anderen Klamotten mit. Ich machte mich also mit einem gefühlt 40kg schweren Koffer, einem schweren großen Rucksack und einer Umhängetasche bepackt auf den Weg in den Untergrund. Leider sind die Metroschranken nicht unbedingt für üppigere oder bepackte Menschen gemacht, sodass man sich gut vorbereiten und alles schön drapieren musste, bevor man sein Ticket in den Automaten steckte. Was das angeht bin ich wohl gar nicht so ungeschickt – es klappte einwandfrei. Das war jedoch nicht die einzige Herausforderung. Die zweite hieß: TREPPEN !  Und nicht nur ein oder zwei. Allein zur Metro waren es bestimmt schon 6 Stück. Damit allein nicht genug: Hinzu kamen all die gestressten Menschen, die ganz schnell irgendwo hin müssen und keinerlei Verständnis für ein vollbepacktes Mädchen haben, die nicht nur damit beschäftigt ist, ihr Gepäck hochzuheben, sondern auch noch damit, nicht von dessen Gewicht die Treppe hinuntergezogen zu werden. Dass mir keiner helfen wollte, störte mich nicht mal sonderlich. Doch als ich dann auch noch angerempelt, komisch oder missbilligend angeguckt wurde, bewegte sich meine Laune langsam in den Keller. Nach einer ca 15 minütigen U-Bahnfahrt fing dasselbe von vorne an. Diesmal jedoch treppaufwärts. Auch dieses Mal erntete ich genervte Blicke, bis sich kurz vor dem Ziel ein Italiener mein Leid bemerkte und mir meinen Koffer die letzten 2 Treppen hochtrug. Als ich dann endlich in meinem Zug nach Le Mans saß, konnte ich erleichtert aufatmen. Leider ein bischen zu früh. Da außer mir nur noch eine Studentin aus Hildesheim nach Le Mans gegangen ist, hatten wir uns ein wenig abgesprochen, was die Anreise anging. Meine Kommilitonin war schon einen Tag vor mir angereist, also hatte ich im gleichen Hotel wie sie ein Zimmer gebucht, sodass wir die Organisation vor Ort zusammen erledigen konnten. Unglücklicherweise hatte ich aus Zeitgründen eine Wegbeschreibung als unnötig erachtet. Ich dachte mir, das Hotel wird schon jemand kennen. Außerdem hieß es, es wäre in der Nähe des Bahnhofs. Es konnte also nicht sooo schwierig sein, es zu finden. Falsch gedacht. Erstmal klapperte ich die Gegend um den Bahnhof ab. Kein Mister Bed (so hieß das Hotel). Also ging ich in einen Buchladen im Bahnhof um nach dem Weg zu fragen. Die Dame kannte das Hotel nicht mal und verwies mich an die Information. Die Dame an der Info konnte mir auch keine Auskunft geben und schickte mich zu den Taxifahrer. Der Taxifahrer wusste, wo das Hotel war und wollte mich auch direkt hinfahren, da ich mich mit den Preisen in Frankreich jedoch nicht auskannte, verneinte ich dankend. Nachdem ich noch etliche Passanten gefragt hatte und der Verzweiflung schon sehr nahe war, ging ich zur Autovermietung und erhielt dort endlich Auskunft. Die Damen dort kannten das Hotel zwar auch nicht, aber sie waren wenigstens so nett und nutzten ihren Computer, um mir die Adresse bei Google rauszusuchen ( auf die Idee ist die Dame an der Info nebenbei bemerkt übrigens nicht gekommen). Außerdem erfuhr ich, dass ich mit der Tram, Le Mans’ ganzem Stolz, bis zur Uni fahren müsste. Selbst den Namen der Haltestelle konnten sie mir nennen. Nach einer halben Stunde Tramfahrt befand ich mich auf meinem zukünftigen Campus, doch immer noch kein Hotel in Sicht. Ich ging in eines der Universitätsgebäude und traf auf den ersten freundlichen Menschen an diesem Tag. Ich glaube, die Frau hat mir angesehen, dass ich fertig war und hieß mich erstmal herzlich willkommen. Sie musste auch erstmal auf einem Plan schauen, wo sich das Hotel befand, gab mir diesen dann aber immerhin mit. Nach 3 Stunden Herumirrens traf ich endlich im Hotel ein. Da es keinen Lift besaß musste ich zum krönenden Abschluss meinen mittlerweile gefühlt 100 kg schweren Koffer zwei Treppen hochtragen ( Hilfe der Rezeptionistin war auch nicht zu erwarten). Nach einer erfrischenden Dusche und einem Kleidungswechsel (während in Deutschland der Winter (im August!) schon auf sich aufmerksam gemacht hatte, herrschte in Le Mans strahlendster Sonnenschein, ihr dürft euch also vorstellen, wie ich dick angezogen mit schwerem Gepäck durch die pralle Sonne spaziert bin) fühlte ich mich fast wie neu. Ich traf mich mit meiner Kommilitonin und wir genossen die letzten Sonnenstrahlen auf dem Campus. Die Welt sah schon wieder viel freundlicher aus und den Eindruck, den die Franzosen auf mich gemacht hatten, sollte sich bald ändern. Allerdings noch nicht am nächsten Tag :( Von der französischen Bürokratie und ihrer Mittagspause bald mehr 😀

Rise Against in Paris!

Monday, November 17th, 2014

Leider habe ich erst vor kurzem eine Einladung zum Bloggen bekommen, deshalb fange ich einfach in der Mitte an und arbeite mich vielleicht langsam bis zu meiner Ankunft in Le  Mans vor 😉

Bataclan - Paris 14/11/14

Manche von euch kennen vielleicht Rise Against, eine ziemlich empfehlenswerte amerikanische Punk/Rockband., die am 14. November 2014 in Paris im Bataclan ein kleines Konzert gegeben hat. Und ich war stolze Besitzerin einer Eintrittskarte. Als ich in Paris ankam, regnete es. Falls ihr mich jetzt alle schon bemitleidet: Paris ist selbst bei Regen wunderschön. Da mein Freund, der aus Deutschland anreiste, später als geplant ankam, begab ich mich schon mal auf den Weg in unser Hotel. Natürlich hatte ich mir die Wegbeschreibung nicht rausgesucht, aber zumindest wusste ich, wo ich aussteigen musste. Dort angekommen, musste ich gar nicht lange suchen. Ich konnte schon von weitem ein Schild, das auf ein Hotel hinwies, ausmachen. Danach zu urteilen, schraubte ich meine Erwartungen an das Zimmer erstmal in den Keller und begab mich auf den Weg. 10 Meter vor meinem Ziel konnte ich auch endlich den Namen des Hotels lesen.Tatsächlich handelte es sich um das unsere. Von nahem sah es auch gar nicht mehr so unfreundlich aus. Im Gegenteil: Vor der Tür standen bunte schmiedeeiserne Stühle und Tische und als ich die Tür öffnete, befand ich mich in einem richtig schnuckligen Frühstücksraum mit Bar, einer winzigen Rezeption und einem, schlafenden Hauskätzchen auf der Heizung. Empfangen wurde ich von einer Frau, die mir, obwohl ich 1,5 Stunden zu früh da war, ein Zimmer gab. Nachdem ich das Zimmer in Augenschein genommen hatte, das leider nicht ganz so schnucklig , wie der Frühstücksraum, aber durchaus sauber war und seinen Zweck erfüllte, nutzte ich die mir verbleibenden Stunden, um einen kleinen Spaziergang durch Paris zu machen. Gegen Abend hörte es auch endlich auf zu regnen, sodass wir, mein Freund war nach 4-stündiger Verspätung auch endlich angekommen, trockenen Fußes zum Konzert gehen konnten. Es stellte sich heraus, dass es sich bei dem Veranstaltungsort um ein ehemaliges Theater handelte, das zu Fuß nur 20 min von unserem Hotel entfernt war. Obwohl das Konzert ausverkauft war, mussten wir nicht lange anstehen. Nach Emily’s Army, einer sehr jungen Band, und Pennywise, kam Rise Against auf die Bühne und brachte die Stimmung auf ihren Höhepunkt. Gekrönt wurde das Konzert am Ende von einem Freund der Band, der seiner Freundin vor dem gesamten Publikum einen Heiratsantrag machte. Nach dem Konzert gingen wir in eine ziemlich coole Bar, drei Häuser weiter. Stuhllehnen und Tische waren aus alten Skateboards hergestellt, an der Wand hingen allerlei Schilder und Poster und auch die Musik war nicht schlecht. Als wir irgendwann auf der Suche nach einem kleinen Imbiss waren, entdeckten wir eine kleine Menschenmenge vor den Tourbussen und trafen so durch Zufall noch persönlich auf den Sänger und den Gitarristen von Rise Against und schossen noch schnell ein Beweisfoto. Auf dem Weg zu unserem Hotel machten wir noch einen kleinen Abstecher in eine winzige Bar ca 10m entfernt von unserem Hotel. Auf unserem Trip haben wir festgestellt, dass die Pariser aus einem winzig Raum, ziemlich beliebte und liebevoll gestaltete Inlokale machen können. Berauscht vom Konzert und doch auch müde von der Reise, fielen wir im Hotel in unser Bett. Am nächsten Morgen nahmen wir ein französisches Frühstück (Baguette, Croissants, Marmelade, frisch gepresster O-Saft und Kaffee so viel wir wollten) neben dem schon wieder schlummernden Kätzchen ein, das uns, obwohl wir 15 min zu spät kamen, doch noch serviert wurde. Frisch gestärkt schlenderten wir durch Paris, entdeckten einen Flohmarkt auf dem Bürgersteig und wendeten uns dann Richtung Eiffelturm. Eigentlich wollten wir auf die Spitze, weil wir beide bis jetzt immer nur auf der zweiten Etage waren. Auf den Stufen zum Place de Trocadéro wurden wir jedoch von einer Gruppe junger Kerle aufgehalten, die eine kleine akrobatische Show mit kleinen Comedy-Einlagen aufführten. Am Eiffelturm angekommen, war die oberste Etage natürlich schon voll, also fuhren wir zu La Défense, wo die Weihnachtsmarktbuden schon aufgebaut wurden. Weiter ging es nach Montmartre, wo wir uns ein nettes Bistrot suchten um essen zu gehen. Danach spazierten wir durch das Viertel, sahen uns Paris von oben und das Rotlichtmilieu mit Moulin Rouge an, machten einen kleinen Stop in einer Bar und beschlossen dann, in der Nähe unseres Hotels noch etwas trinken zu gehen, um nicht auf die Metro angewiesen zu sein. Wir wurden auch schnell fündig und verbrachten den Rest des Abends in einer Bar, die mit Zeitungsschnipseln tapeziert war und an deren Decke skurile Dinge hingen, die ihr jedoch ihren Charme gaben. Dann war auch schon Sonntag, wir mussten auschecken und ließen diesen kurzen, aber unvergesslichen Aufenthalt mit einem Frühstück in der Rue Daguerre, die jeder zweite aus dem Französischbuch seiner Schulzeit kennt, ausklingen. Nach einer Stunde im TGV war ich auch schon wieder in Le Mans und musste all die liegen gebliebene Arbeit für die Uni aufholen. -.-
Falls ihr Tipps für mich habt, immer her damit, ich mache das zum ersten Mal und schließlich nicht um euch zu langweilen 😉
Bis zum nächsten Mal

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