Archive for October, 2010

Noch ein paar Tausend Kilometer weiter – gefangen auf der Kreuzung

Wednesday, October 6th, 2010

Nun sitze ich in Pune (noch einmal 2186 km von Dubai entfernt), den ersten Mumbai-Aufenthalt haben wir gut überstanden, wenn auch dann und wann mit Herzklopfen. In der Dunkelheit in einem Land anzukommen ist immer eine Besonderheit. Die Einreise war erfreulich problemlos, vor dem Verlassen des Flughafens rieben wir uns erst einmal gründlich mit Mückenmittel ein, denn der Flughafen liegt im zweitgrößten Slum der Welt (1 Millionen Einwohner, Mumbai selbst hat übrigens über 16 Millionen) in einer sumpfigen Gegend mit vielen Malariamücken – muss ja nicht sein. Draußen dann: Indien hat seinen eigenen Geruch. Das werde ich noch öfter denken. Am Flughafen war es warm, leicht würzig. In der Stadt nach Abgasen, Urin, Paan, Gewürzen, Armut. Aber auf jeden Fall riecht Indien viel stärker (oder nur anders?) als Deutschland.

Der Verkehr – wie erwartet – chaotisch. Hupen ohne Ende. Der Verkehr ist wie ein Vogelschwarm, wo sich alle Mitglieder ständig zurufen „Hier bin ich – wo bist du?“ – nur viel ungeordneter als jeder Schwarm. In Mumbai waren wir heute morgen relativ lange auf einer Kreuzung, einem schmalem Mittelstreifen, gefangen, es war unmöglich, mit heiler Haut zwischendurch über die Straße zu kommen. Irgendwann klappte es dann doch. Man wird schnell hier auf den Straßen und geschickt. Gestern Abend waren wir noch in einem kleinen Lokal essen. Unterwegs überall auf den Bürgersteigen schlafende Menschen, z.T. Ganze Familien. Eine Frau hatte ein Tuch so zwischen zwei Pfosten aufgespannt, dass ihr Baby darin liegen konnte wie in einer Hängematte. Die Armut bedrückt, die Menschen rücken dir stark auf die Pelle, folgen dir unentwegt. Überall Flecken von Paan, dem Zeug, dass hier gekaut wird und das leicht berauscht. Bei den Ständen der Händler fallen sie besonders auf, sie sind blutrot.

Nach einer ziemlich schlaflosen Nacht (das Zimmer stank entsetzlich nach Chemie, mit dem sie hier versuchen, das Ungeziefer in Zaum zu halten) heute Morgen Frühstück in einem von Indern frequentierten Frühstückslokal. Sie essen gedämpften Reis oder Frittiertes, wir bestellen uns Toast. Es ist mit Tomaten und Gurken belegt – sofort wieder Unsicherheit wegen Keimen und Krankheiten, die man sich so holen kann. Man muss sich vom Essen her doch sehr umstellen, worauf man achten muss, was man besser nicht isst und trinkt. Trotz allem fühle ich mich bisher noch bemerkenswert sicher. Die Leute wirken freundlich, die Kultur und Atmosphäre erinnern mich sehr an Mexiko.

Wie gesagt, inzwischen sind wir in Pune. Wir haben heute Mittag den Zug genommen, ziemlich abenteuerlich,enger und netter Kontakt zur Bevölkerung (die Kinder sind wirklich anhänglich), immer wieder kommen fliegende Händler mit Kaffee, Tee, Essen, Süßigkeiten durch den engen Gang, draußen erst noch lange Mumbai, dann wirklich schöne, grüne Landschaft. Es geht in die Hügel (Pune, ebenfalls eine Millionenstadt, liegt gute 500m hoch, Mücken gibt es hier aber leider trotzdem…). Das Hotel ist angenehmer als die letzten beiden, die Dusche eine reine Wohltat. Wenn ich jetzt rausschaue (ich sitze in der Lobby), sehe ich Palmen am Straßenrand und höre das übliche Hupkonzert. In etwa einer Stunde treffen wir zum ersten Mal die Kollegen von Symbiosis, einer der potentiellen Partnerunis.

Erster Eindruck Indien: lively, ungezähmt, intensiv – ja, intensiv passt am besten. Von Gerüchen überall, Geschmack und Menschen.

mb

1536 km südöstlich von Hamburg….

Monday, October 4th, 2010

…sitze ich gerade, während ich diesen ersten Eintrag schreibe. Sagte uns nach dem Flug zumindest die Fluganzeige. Und morgen folgen weitere 2-3 Flugstunden, bevor wir in Indien landen. Zur Zeit sind wir in Dubai, wo wir (Francis Jarman, Thomas Mandl und ich) einen kleinen Zwischenstopp einlegen auf dem Weg zu zwei potentiellen neuen Partnerunis in Indien.

Nach der Ankunft langes, langes Schlangestehen vor der Passkontrolle, wo wir auch unser Visum bekommen. Vorher in Hamburg haben wir noch den Körperscanner getestet, das ging deutlich rascher. Nachdem der Taxifahrer sich ordentlich verfahren hat, landen wir gegen 2h morgens im Hotel. Hier kneippen wir heute ordentlich: eiskalte Metro und Gebäude, Bullenhitze, sobald man ins Freie kommt. Entweder es haut uns um oder wir werden jetzt extra fit und gesund. Heute Vormittag hat uns eine Bekannte von Francis den modernen Teil Dubais gezeigt, die Wolkenkratzer und Edelhotels, bei einem Kaffee rege Diskussionen über Dubai und Indien, Hindus und Moslems, Einwanderungspolitik und Heiratsregeln. Schon jetzt viel erfahren und gelernt. Nachmittags waren wir auf eigene Faust in den alten Souks und sind mit dem Bootstaxi übergesetzt in die Altstadt. Der Muezzin begleitete uns mit seinem Gesang. Im Gewürzbasar betäubender Duft der vielen Gewürze. Ich dachte mal, ich kenne mich da aus – aber ich habe nur wenig Gewürze wiedererkannt.

Kleine Pause jetzt, bevor wir uns noch einmal mit besagter Bekannten treffen, die wir zum Essen einladen wollen. Bilder werde ich wohl später mal einstellen. Erste Eindrücke von Dubai zusammengefasst: Megamodern in vielerlei Hinsicht, voll ausgerichtet auf Shopping (riesige Malls),sehr sauber, sehr westlich irgendwie. Und dazwischen ahnt man Arabien.

mb

Die letzten Tage

Sunday, October 3rd, 2010

Die letzten zwei Wochen waren eindeutig geprägt von der Uni. Sooo viel zu tun! Nun habe ich sie jedoch fertig, meine erste Hausarbeit in “International Management” zusammen mit vier Finnen.

Unter diesem Link hier gibts ein Informationsvideo über die Universität Vaasa:

http://www.youtube.com/watch?v=jCjceYRQsFs

Wasa sonst noch so passiert ist, berichte ich jetzt einfach mal chronologisch.

Ein stadtweites Highlight, das jedes Jahr stattfindet, war auf jeden Fall Wasa by Night. Das Prinzip ist einfach: Besorg dir in der ersten der teilnehmenden Locations eine Stempelkarte, besuche acht der Cafés, Restaurants und Kneipen, trink dort etwas und hol dir einen Stempel ab, dann bekommt du zum Schluss ein tolles T-Shirt. Das Ganze war eine schöne Gelegenheit, um mal ein paar mehr Orte in Vaasa kennenzulernen, wo man gemütlich den Abend verbringen. Allerdings war der Stressfaktor ein wenig größer als gedacht, denn natürlich waren wir nicht die einzigen, die teilgenommen haben und dementsprechend voll war es überall. Außerdem haben wir uns beeilt, um noch T-Shirts zu bekommen und soooo viel Flüssigkeit (nicht nur Alkohol :D) in kurzer Zeit zu trinken ist irgendwie nicht ganz so meins. Wir haben dann tatsächlich noch ein paar der letzten Shirts ergattert…. und es ist unglaublich hässlich! Egal, als Andenken dient es so oder so.

Letztes Wochenende haben wir eine Radtour nach Söderfjärden gemacht, etwa elf KIlometer von Vaasa entfernt. Vor einigen Millionen Jahren ist dort ein grooooßer Meteorit eingeschlagen und die Fläche dient heutzutage als Agrarland aufgrund des fruchtbaren Bodens, was man hier in der Gegend sonst eigentlich fast gar nicht findet. Im Herbst sammeln sich dort Tausende von Kranichen aus ganz Finnland um ihre Reise in den Süden anzutreten, was ziemlich eindrucksvoll sein soll. Leider wurde uns der Trip schon Anfang September empfohlen und als wir jetzt da waren, haben die meisten wohl die Zwischenstation dort wieder verlassen. Immerhin haben wir aber trotzdem ein paar gesehen, wenn auch nur aus der Ferne. Als wir näher rangefahren sind, haben sich alle in die Luft erhoben und sind geflüchtet.

Aber schon allein für den Weg dorthin hat es sich gelohnt, ich liebe es hier einfach an der friscen Luft und in der Natur unterwegs zu sein.

Mittwoch gabs dann ein kleines Highlight: Initiation Rite für alle Erstsemester- und Austauschstudenten an der Universität Vaasa! Hinter dem Namen verbirgt sich ein Tag mit viel Alkohol (zumindest für die trinkwütigen Finnen), einer Menge lustigen Teamspielen und dem krönenden Abschluss, der offiziellen Taufe eines jeden gewillten Uni-“Frischlings”.

Wir wurden in Mannschaften aufgeteilt, bekamen schicke Müllsäcke, die wir tragen mussten und den Auftrag, uns einen Gruppensong überlegen.  Nun galt es viiiele Aufgaben und Spiele zu absolvieren, wie zum Beispiel Pantomime, einen Song performen, Hockey, ein Puzzle zusammensetzen, und so weiter und so fort… Für jedes erfolgreich absolvierte Spiel gab es Punkte, für Teamspirit, “Bribing”, also Bestechungsversuche den Tutoren gegenüber mit zum Beispiel Süßigkeiten und Massagen, und wie man sich generell geschlagen hat.

Die ganz Verrückten unter den Studenten haben sich dann zum Schluss noch auf ein Ritual der ganz besonderen Art eingelassen: Ohne Klamotten, nur noch mit Müllsack bekleidet, wurden die Augen verbunden und man wurde auf die Wiese hinter der Uni geführt. Da war eine Planne mit seifigem Wasser vorbereitet, wo die Studenten drauf geworfen wurden. Aufgrund der verbundenen Augen wusste ja keiner was Sache war und das Geschrei war groß 😉

Früher fand die Taufe wohl sogar im Meer statt. Wir haben uns aber dezent enthalten. Nass und kalt? Nööö.

Na gut, da niemand Lust hat, sich einen ewig langen Beitrag durchzulesen, werde ich erstmal aufhören. Gestern waren wir in einem Zoo von der Uni aus und heute beim Eishockey. Dazu Anfang der Woche mehr… 🙂

Nähdään!

(Bis bald)

Turismo

Friday, October 1st, 2010

Ich gebe es ja zu: meine Art, ein Land zu entdecken hat meist recht wenig mit dem Abklappern von touristischen Sehenswürdigkeiten zu tun. Man könnte auch sagen, ich bin una turista malísima. Aber ich bin gerade dabei, mich im Touridasein zu üben und seien wir mal ehrlich: wer würde schon nein sagen, wenn er in die Wüste könnte. Gesagt getan, Flug für 86 000 pesos gebucht und heute Abend gehts los nach Calama, das -wie der Reiseführer sagt- “ein echtes Drecksloch” ist. Calama liegt in der Región de Antofagasta, gehörte mal zu Bolivien und bietet eigentlich nicht viel mehr als ein paar abgehalfterte Bars. Aber das ist ja auch nur unsere Zwischenetappe, morgen früh gehts dann per Bus nach San Pedro de Atacama. Radikale Temperaturwechsel erwarten uns und ich kann nicht wirklich behaupten, die wärmste Jacke mitgenommen zu haben…

Wir haben mehrere Touren gebucht, pro Tour 14 000 pesos bezahlt, das ganze wird ein recht teures Vergnügen. Auf der website http://www.atacamaconnection.com/aconect_es.htm

wird der Ort als kosmopolitisch beschrieben, wohl eher ein Euphemismus für touristisch, aber das nehm in Kauf…

Nachtrag:

Apropos Atacama Wüste:

Es sieht so aus, dass “unsere” Minenarbeiter bald in ihren normalen Alltag zurückkehren können..was nach Monaten des Ausnahmezustandes vermutlich extrem problematisch sein wird..

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,721910,00.html